Nr. 388c
5. Dezember 1947

Schreiben des Finanzministers Leonhard Moog an die Präsidialkanzlei zur Inventarisierung und Überwachung der Wohnungen


Land Thüringen
Ministerium für Finanzen5. 12. 47
An
den Herrn Ministerpräsidenten des Landes Thüringen– Präsidialkanzlei –W e i m a r

In der Regierungssitzung vom 1.d. Mts. ist darauf hingewiesen worden, dass dem unterzeichneten Finanzminister die Vermögensverwaltung des Dr. Paul’schen Inventars übertragen worden sei und dass dieser Auftrag bis zur Bestellung eines Pflegers gelte.
Ich verweise auf den Bericht des Finanzministeriums vom 10.10.47 an den Herrn Ministerpräsidenten, worin mitgeteilt worden ist, dass die Inventarisierung des Paul’schen Vermögens durchgeführt und der erteilte Auftrag damit erloschen sei. Der Landesregierung ist auch mündlich darüber Bericht erstattet worden und sie hat ihr Einverständnis dazu erklärt.Um keine Unterbrechung in der Überwachung des Paul’schen Vermögens eintreten zu lassen, ist dem Justizministerium vorgeschlagen worden, den bei uns beschäftigten Regierungsrat K ö n i g als Nachlasspfleger zu bestellen. Die Bestellung ist jedoch bis heute nicht durchgeführt. Inzwischen ist gegen Herrn König ein Entnazifizierungsverfahren eingeleitet worden, nach dessen Ausgang er für eine Bestellung zum Pfleger nicht mehr in Frage kommt. Da das Justizministerium in der Zwischenzeit auch keinen anderen Pfleger bestellt hat, ist das Paul’sche Vermögen auch ohne Auftrag vom Finanzministerium weiter überwacht worden. Nur die Überwachung des Hauses Windmühlenstrasse 15 konnte nicht durchgeführt werden, da die Schlüssel des Hauses am 25.10.47 der russischen Kommandantur ausgehändigt werden mussten. Erst am 6.11. wurden die Schlüssel an das Finanzministerium zurückgegeben mit dem Auftrag, sie in Verwahrung zu behalten, niemand den Zutritt zu dem Haus Windmühlenstrasse 15 zu gestatten und von den eingelagerten Gegenständen herauszugeben. Das Haus ist verschlossen, die für die Aufbewahrung des Mobiliars vorgesehenen Räume sind ausserdem versiegelt. Ausserdem wird das Haus Tag und Nacht von Polizeiposten bewacht. Es dürfte danach kaum möglich sein, dass nach dem 6.11. noch Gegenstände aus dem Haus entnommen werden konnten. Was in der Zeit vom 25.10. bis 6.11.47 von der Besatzungsmacht entnommen worden ist, ist in einer Niederschrift vom 22.10.47 aufgenommen worden. Über die Entnahme der Gegenstände hat der Major Bussin vom Stab quittiert. Es muss allerdings gesagt werden, dass, da gleichzeitig 7 Soldaten die Gegenstände abtransportierten, eine genaue Kontrolle nicht möglich war. Entnommen worden sind an dem fraglichen Tag Herde, Beleuchtungskörper, Gardinen, Läufer und Läuferstangen. Lt. Auskunft der Schutzpolizei sind an anderen Tagen, insbesondere während der Zeit als die Besatzungsmacht die Schlüssel im Besitz hatte, Entnahmen von Gegenständen irgendwelcher Art nicht erfolgt.Es wird gebeten, die nunmehr beschlossene Bestellung des Rechtsanwalts G r ä b e zum Pfleger so sehr wie möglich zu beschleunigen, da eine weitere Überwachung des Paul’schen Vermögens durch RR. König aus den oben genannten Gründen nicht mehr in Frage kommen kann.
LMoog
Minister

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1865, Bl. 84r, 84v (ms. Ausfertigung).