Nr. 370a
11. September 1947

Ministerpräsidentenwahl in Thüringen


Die Thüringer Regierung nimmt zum Fall Paul Stellung. Einer ADN - Meldung aus Weimar zufolge beschäftigt sich die Regierung Thüringens in einer Sitzung am 9. September mit der Überprüfung der durch die Abwesenheit des Ministerpräsidenten Dr. Paul entstandenen Lage und kam zu folgender Entscheidung: Am 1. September verliess Ministerpräsident Dr. Paul zusammen mit seiner Gattin in Begleitung von weiteren vier Personen in zwei Kraftwagen ohne Angabe der Gründe und des Ziels seiner Reise das Bundesland Thüringen und kehrte bis jetzt nicht zurück. Die bisher ergebnislos verlaufenen Nachforschungen über seinen Aufenthaltsort werden fortgesetzt.
Die Regierung setzte den Landtagspräsidenten vom Stand der Dinge in Kenntnis und ersuchte in Übereinstimmung mit Artikel 8, Absatz 3 der Verfassung des Bundeslandes Thüringen, die Neuwahl eines Ministerpräsidenten auf den baldmöglichsten Termin anzusetzen. Die Stellvertretung liegt bis zur Neuwahl gemäss Paragraph 1 des Gesetzes vom 25.März 1947 in Händen des ständigen Stellvertreters, des Finanzministers Moog. Die laufenden Regierungsgeschäfte werden bis zur Neuwahl des Ministerpräsidenten keine Unterbrechung erfahren.

Quelle: Telegraf (Berlin), 11.9.1947, Abschriften in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Bl. 227, Bl. 60r-62r.