Nr. 346
19. August 1947 Aus dem Protokoll der Sitzung des Sekretariats des SED-Landesvorstandes mit Rudolf Paul zum „Fall Lotz“

Sekretariatssitzung am 19. 8. 1947


Anwesend: Hoffmann, Heilmann, Wagner, Paul, Torhorst, Böhme, Heymann, Eggerath, Eyermann, Arnold, Appell, Klaus, Günther

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Vorsitz : Genosse Hoffmann

Tagesordnung :

1.) Mitteilungen
2.) Regierungs- und Landtagsangelegenheiten 3.) Parteitag 4.) Schulfragen 5.) Verschiedenes.
Zu Punkt 1 :
[…] c) Genosse Eggerath stellt die Frage Lotz 1 nochmals zur Debatte. Wie Genosse Paul mitteilt, ist durch die Gerichtsverhandlung in Berlin, zu der Lotz als Angeklagter geladen und bereits vernommen wurde, eine neue Situation entstanden. Die einzelnen Genossen des Sekretariats nehmen zu der Frage Stellung, ob Lotz als Landrat gehen soll, wie es das Zentralsekretariat angeregt hat, oder nicht. Es wird nochmals auf das Gutachten von Schultes 2 hingewiesen. B e s c h l u ß : Genosse Paul soll sich nochmals genauestens über den derzeitigen Stand der Angelegenheit Lotz informieren und gegebenenfalls von Külz 3 das Material anfordern, das er dann dem Genossen Wagner übergeben soll. […] Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar , Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt, IV/L/2/3-031, Bl. 176r-178r, hier Bl. 176r (ms. Ausfertigung).

1Im Protokoll durchweg „Lodz“; der Fall des krimineller Vergehen verdächtigten Johannes Lotz (KPD/SED, seit 1.10.1945 Landrat in Hildburghausen, in der NS-Zeit verfolgt und Buchenwald-Häftling) stand bereits am 21.3.1947 (und seitdem noch mehrfach: am 15.4., 4.7., 5.8.1947) auf der Tagesordnung des Landessekretariats: die Sache sei eine Parteifrage; man müsse handeln; es sei aber ein sehr schwieriger Fall; man könne nicht einfach den Stab über ihn – einen alten, treuen Genossen – brechen; doch sei die Stimmung gegen ihn; die Partei in Hildburghausen würde darunter leiden, wenn Lotz bliebe (Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar , Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt, IV/L/2/3-031, Bl. 52-54); Karl Schultes hatte ein negatives Gutachten über Lotz erstellt und sollte das SED-Zentralsekretariat informieren, das dann Lotz‘ Ablösung als Landrat verlangte; am 29.9.1947 entschied das Landessekretariat, dass nach dem nun feststehenden Ausscheiden von Lotz die Kandidatur des früheren Weimarer OB Otto Faust als Landrat in Hildburghausen durchzusetzen sei (Bl. 195, 196); am 17.10.1947 berichtete das „Thüringer Volk“ über das Ausscheiden von Lotz und die Neuwahl von Faust; zur späteren – umdeutenden – Darstellung des „Falles Lotz“ durch Rudolf Paul vgl. Dok. ….. 2Das Gutachten des stellv. Justizministers, Leiters der Gesetzgebungsabteilung u. Vorsitzen des Rechtspolitschen Ausschusses des SED-Landesvorstandes ist nicht überliefert. 3Justizminister Helmut Külz.