Nr. 343
8. August 1947

Schreiben des Ministerpräsidenten Rudolf Paul an die SMATh zu den Umquartierungen in Weimar


Weimar, 8. August 1947
Dr.P/A.Der Ministerpräsidentdes Landes Thüringen

An die
Sowjet-Militär-AdministrationW e i m a r

Betr.: Umquartierungen innerhalb der Stadt Weimar 1

Die Stadt Weimar wendet sich in der Umquartierungsfrage erneut um Hilfe an mich.
Seitens der Administration war in Übereinstimmung mit dem Herrn Stadtkommandanten ausdrücklich festgelegt worden, daß die von dem Auszug Betroffenen je 3 Tage zuvor Bescheid bekommen würden. Diese Frist ist zunächst auch in einer großen Anzahl der Fälle eingehalten worden. Jetzt wird sie offensichtlich, und zwar zum Teil mit der Begründung, daß die Deutschen in dem betreffenden Viertel ja wüßten, daß sie auszuziehen hätten, nicht mehr eingehalten. So ist es engsten Mitarbeitern meiner Dienststelle passiert, daß sie innerhalb von 2 Stunden ausziehen mußten.In der Kürze dieser Zeit ist es selbstverständlich unmöglich, den Aus- und Wiedereinzug ordnungsgemäß durchzuführen, zumal sehr oft das Quartier, in das der Betreffende eingewiesen werden soll, nicht frei ist, da der jeweilige russische Offizier beispielsweise in Urlaub ist, außerhalb Weimars weilt, krank ist u.a.m.Das hat dazu geführt, daß z.Zt. Hunderte von Personen noch nicht untergebracht werden konnten, notdürftig Unterkunft in den wenigen und völlig überfüllten Hotels der Stadt suchen oder zum Teil auch noch zusammengedrängt in einem Zimmer ihrer bisherigen Wohnung verbleiben.Nach den mir gewordenen Mitteilungen des Herrn Oberbürgermeisters hat die zunächst gut angelaufene Umsiedlung durch die vorstehend geschilderte Art ihrer Weiterentwicklung leider sehr beunruhigend auf die Bevölkerung gewirkt.Ich bitte aus diesem Grunde die Administration, dem Herrn Stadtkommandanten, der von sich aus offensichtlich bemüht ist, die seinerzeit getroffene Vereinbarung einzuhalten, auf diese Entwicklung hinzuweisen und eine weitere Entwicklung in dieser Form abzustoppen.Eine gewisse Unsicherheit ist in die Angelegenheit dadurch hineingetragen worden, daß das Südviertel, welches zunächst im ganzen von der Besatzungsmacht in Anspruch genommen wurde, später nur bis in Nähe der Karl-Alexander-Allee beschlagnahmt wurde, während bezüglich des Restes Karl-Alexander-Allee bis Belvedere-Allee die Entscheidung offen blieb, wobei allerdings zur selben Zeit eine Beschlagnahme des Viertels zwischen Jenaerstraße und Tiefurter-Allee, das dafür zunächst nicht vorgesehen war, zur Durchführung kam.In diesem Zusammenhang wird mir gemeldet, daß weitere Viertel, und zwar Bechstein-, Hutten-, Sickingen-, Röhrstraße und Dürrstraße – Rembrandtweg in der letzten Zeit hinzukommen.
Dr. Paul
(Prof. Dr. Paul)

Quelle: Gosjudarstwenny archiw Rossijskoj Federazii [Staatsarchiv der Russischen Föderation, Moskau], f. 7184, op. 1, d. 20 [Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Z 47 F, Film Nr. 80814], Bl. 333r, 334r (ms. Ausfertigung, dt.).

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