Nr. 340g
25. August 1947

Aus dem Protokoll der 36. Regierungssitzung: Der Thüringer Wald wird zum Notstandsgebiet erklärt


P r o t o k o l l
über die 36. Regierungssitzung am 25. August 1947, 15.30 Uhr.
Anwesend:
Ministerpräsident Prof. Dr. PaulMinister Dr. AppellMinister EggerathMinister GrosseMinister KülzFrau Minister Dr. TorhorstMinisterialdirektor Dr. Zieger (in Vertretung von Minister Moog) Präsident Pfalzgraf (DZV Land & Forst) 1 Ministerialdirektor Dr. Hossinger
[…]
Präsident Pfalzgraf von der Zentralforstverwaltung Berlin wird zu den Beratungen hinzugezogen. Er berichtet über die Pläne zur Ausführung des Befehls 186, 2 schildert die Gefahren des Thüringer Waldes durch den Borkenkäfer und die Gründe der Verschlechterung der Lage. Er macht den Vorschlag, 1. Das Landesforstamt dem Minister für Versorgung als dritte Hauptabteilung zu unterstellen,2. das Holzreferat des Wirtschaftsministeriums in das Landesforstamt einzugliedern,3. auch die Holzabfuhr später dem Landesforstamt einzugliedern, jedoch den Sonderbeauftragten einstweilen noch selbständig tätig sein zu lassen, um ihn nicht zu schwächen.Da die Verlegung des Landesforstamtes nach Erfurt 6 Wochen an Arbeitszeit kosten würde, diese Zeit jedoch zur Bekämpfung des Borkenkäfers unentbehrlich ist, wird vorgeschlagen, den Sitz in Weimar zu belassen.Für die Organisierung der Bekämpfung schlägt Präsident Pfalzgraf vor, die Leitung der Zweigabteilung des Landesforstamtes in die Nähe von Oberhof zu verlegen. Die nichtforstamtlichen Arbeitsposten sollten von den zuständigen Ressortministerien besetzt werden. In der Zweigstelle Oberhof seien 5 Referate einzurichten, und zwar
1. Einschlag
2. Verwertung3. Transport4. Arbeitskräfte5. Versorgung der Arbeitskräfte mit Werkzeug.In jeder Revierförsterei sollen genau dieselben Referate eingerichtet werden. – Alle leitenden Personen müßten mit Kraftfahrzeugen versehen werden.Die SMA habe zugesagt, kein Holz mehr zu schlagen, nur um Rinde zu erhalten.An Arbeitskräften seien 5 000 aus den nicht betroffenen Forstämtern herausziehbar. Zu diesen könnte vielleicht je ein Ungeübter hinzugenommen werden. Insgesamt seien ca. 30 000 Arbeitskräfte nötig. – Landesforstmeister Brückner habe versagt und er schlage vor, ihn nicht nochmals einzusetzen. – Dr. Prell aus Tharandt habe seinerzeit Kahlschläge um die befallenen Forststellen nicht für nötig gehalten.Der Ministerpräsident unterstreicht die Ausführungen des Präsidenten Pfalzgraf und dankt ihm im Namen des Landes für seinen persönlichen Einsatz. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten beschließt die Regierung einstimmig:Der Thüringer Wald wird zum Notstandsgebiet erklärt. Die außerordentliche Gefahr des Borkenkäfers erfordert außerordentliche Maßnahmen. Zu diesem Zweck soll aus jedem bäuerlichen Hof ein Mann mit Gerät zur Borkenkäferbekämpfung herausgezogen werden. Minister Külz wird beauftragt, eine entsprechende Ausführungsverordnung auszuarbeiten. Minister Grosse wird beauftragt, über diese Maßnahmen, die in Ausführung des Befehls 186 geschehen, im Rundfunk zu sprechen.[…]

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar , Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 460, Bl. 284 r-289r, hier Bl. 287r, 288r (ms. Ausfertigung).

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