Nr. 340a
24.7.1947

Aus dem Bericht des Ministers für Versorgung Georg Grosse (CDU) an den Landtag zu Maßnahmen gegen den Borkenkäferbefall


Thüringer Landtag
Stenographischer Bericht über die 22. Sitzung, Weimar, 24. Juli 1947, 10 Uhr

[…]
Minister Grosse : […] Die katastrophale Ausbreitung des Borkenkäfers in Thüringen 1 zwingt nunmehr kategorisch zu einschneidenden Sofortmaßnahmen, da bei einem weiteren Hinauszögern einer wirksamen Bekämpfung der Thüringer Nadelwald unrettbar verloren ist. Es würde in solchem Falle nicht nur die Thüringer Holzwirtschaft ruiniert und darüber hinaus die gesamte deutsche Wirtschaft auf das Schwerste betroffen werden, es würden außerdem durch die Entblößung der Höhenzüge des sogenannten „Thüringer Waldes“ eine Klimaverschlechterung, Verkarstung des einstigen Waldbodens sowie eine Senkung des Grundwasserspiegels eintreten, was sich wiederum verheerend auf die Landwirtschaft und Wasserversorgung der Städte und Landgemeinden auswirken würde. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß alle Maßnahmen gegen den Käfer – trotz sachgemäßer Planung und Vorbereitung – am Mangel an Arbeitskräften scheiterten und weiter scheitern müssen, solange die Waldarbeiter mit der Erfüllung von Umlagen beschäftigt sind, die den Erfordernissen der Schädlingsbekämpfung entgegenstehen. Zusätzliche, für die Waldarbeit taugliche Arbeitskräfte in der erforderlichen Zahl von mehreren tausend Mann sind nicht aufzubringen, würden auch nicht mit Werkzeug ausgerüstet werden können. Thüringen ist daher bei der Bekämpfung des Borkenkäfers einzig und allein auf seine stehende Holzhauerschaft angewiesen. Zur Rettung derjenigen Teile des Nadelwaldes, die noch nicht vom Massenbefall betroffen und damit verloren sind, gibt es nur noch einen Weg: Es müssen sofort die als unrettbar aufzugebenden Flächen (das sind schätzungsweise 15 000 ha) von den voraussichtlich noch zu erhaltenden Waldgebieten durch breite Kahlschlägestreifen isoliert und – von diesen Isolierungsstreifen nach dem Innern der Befallsgebiete vorrückend – die befallenen Bestände schnellstens geräumt werden. In den noch zu rettenden Waldgebieten muß eine verstärkte Kontrolle einsetzen, damit die Bildung und Ausbreitung neuer Befallsherde verhütet wird.Die Durchführung dieses Programms wird Millionen fm Holz (vorwiegend Faserholz und Brennholz, weniger Sägestammholz) ergeben, die der Wirtschaft zuzuführen sind. Wir beabsichtigen nun zu beantragen, daß Thüringen als fortwirtschaftliches Notstandsgebiet erklärt und bei der Verteilung des Holzeinschlages und der Gerbrindenaufbringung innerhalb der östlichen Besatzungszone als solches behandelt wird. Wir werden sofort Erhebungen darüber anstellen, welche Holz- und Gerbrindenmengen, getrennt nach Sortimenten, die Durchführung des oben angedeuteten Verfahrens ergeben wird. Diese Mengen werden wir dem Zentralforstamt in Berlin melden mit der dringenden Forderung, sie bei der Umlageverteilung auf die 5 Länder der Besatzungszone als Konstante in Rechnung zu setzen und dann die an der Erfüllung der von der ganzen Zone geforderten Aufbringung fehlenden Holz- und Rindenmengen den 4 anderen Ländern aufzugeben.[…]

Quelle: [Was geschah im Thüringer Landtag?] Stenographische Berichte von den Sitzungen desThüringer Landtages, 22. Sitzung v. 24.7.1947, S. 510 (gedrucktes Protokoll).

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