Nr. 338
11. Juli 1947

Besprechung des Ministerpräsidenten Rudolf Paul und des Weimarer Oberbürgermeisters beim SMATh-Stabschef Iwan W. Smirnow über die Räumung des Weimarer Südviertels und Reparationsschulden


Aktenvermerk
betr. Besprechung zwischen Herrn Ministerpräsidenten mit Herrn OB Dr. Hempel und Generalmajor Smirnow; 1 Oberst Kortunoff, 2 dem Stadtkommandanten Vonderansje und seinem Stellvertreter, gedolmetscht Frau Bauer.
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1. Umsiedlung des Südviertels:
Es wurde noch einmal festgelegt, dass die Aktion vollkommen organisiert durchgeführt wird. 3 Dass einige Übergriffe von Seiten der Offiziere gemacht werden, indem sie selbst in die Wohnungen gehen und die Räumung anberaumen, entspricht nicht den festgelegten Maßnahmen. Eine Räumung kann nur dann vorgenommen werden, wenn der Inhaber der Wohnung mit der Räumungskommission, die aus deutschen und russischen Vertretern besteht, gesprochen hat. Jeder Inhaber der Wohnung erhält drei Tage vor der Räumung Bescheid. Transportmittel zur Überführung seiner eigenen Sachen werden gestellt. Jedoch in den Fällen, wo von den Inhabern der Wohnungen nicht eigene Möbel aufgeführt worden sind oder wo Ausbau von Gasöfen, elektrischen Öfen, Türklinken usw. vorgenommen worden ist, wird ein Strafverfahren gegen den Eigentümer eingeleitet. Die Aktion hat ab heute begonnen und muss schnellstens zum Ende gebracht werden. Es ist noch einmal bestätigt worden, dass die Bewohner des Südviertels ihre Gemüse- und Obstgärten abernten können, dass sie selbst, nachdem sie ausgezogen sind, die Bescheinigung erhalten werden, immer wieder in ihre Gärten zurückkehren zu können, damit sie selbst die Ernte einbringen können. – Herr Ministerpräsident wurde gebeten, mit dem Leiter des Arbeitsamtes, Herrn Müller, Rücksprache zu nehmen, damit er für diese Aktion der Stadt Arbeiter zur Verfügung stellt. 2. Heizanlage in den Tannenberg-Kasernen: Herr Ministerpräsident trug GM. Smirnow nochmals die Frage der Beheizung der Tannenberg-Kasernen vor und zwar im Sinne einer gemeinsamen Beheizung sämtlicher Kasernen, wobei beide Teile, d.h. die deutsche Regierung und die russ. Besatzungsmacht den Kasernen entsprechende Kohlenzuteilung zur Verfügung stellen. GM. Smirnow versprach, die Frage heute noch GO. Boldin 4 vorzutragen, bat jedoch um ein offizielles Schreiben des Herrn Ministerpräsidenten an GO. Boldin in Bezug auf das Obenerwähnte.
3. Reparationsschulden:
Herr Kosloff, Leiter der Wirtschaftsabteilung der SMA, trug Herrn Ministerpräsidenten vor, dass das Land Thüringen RM 36.000.000.- Reparationsschulden für das 1. und 2. Quartal 1947 habe. Diese Reparationsschulden müssen wenigstens zur Hälfte, d.h. RM 18-20.000.000.- im 3. Quartal 1947 gedeckt werden. – Dies kann jedoch nur dann geschehen, wenn die Abteilung für Industrie im Wirtschaftsministerium sich voll und ganz in diese Arbeit einschaltet. Herr Kosloff brachte weiter zum Ausdruck, dass die Arbeit im Wirtschaftsministerium nicht befriedigend sei und insbesondere in der Abteilung f. Industrie. Es besteht absolut keine Zusammenarbeit zwischen der Abteilung f. Industrie und den Behörden an Ort und Stelle, die den Industriebetrieben, die für Reparationen arbeiten, näherstehen. Man kann und darf nicht nur von einer Operative sprechen, man muss diese Worte in die Tat umsetzen.
Weimar, 11.7.47


Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar , Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 514, Bl. 49r, 50r (ms. Ausfertigung).

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