Nr. 333g
2. Juli 1947

Tagebucheintrag des LDP-Vorsitzenden Wilhelm Külz zur Belastung des Eisenacher LDP-Parteitages durch das Attentat


2. Juli 1947
Als katastrophaler Auftakt für den Parteitag in Eisenach ergibt sich jetzt der Umstand, daß gegen den Thüringischen Landtagspräsidenten Frölich 1 von einem Mitglied der LDP namens Andre ein Attentat verübt worden ist. Das Vorkommnis wurde sofort als Ausfluß der in der Partei angeblich in Berlin bestehenden rechtsreaktionären Strömung ausgedeutet. Selbstverständlich ist diese verabscheuungswürdige Wahnsinnstat auf das schärfste zu verurteilen. Irgendwelche politischen Momente, die von Partei wegen zu würdigen wären, vermag ich jedoch nicht zu erkennen. Man kann eine Partei nicht verantwortlich machen für die Wahnsinnstat eines Einzelnen, der vielleicht nur äußerlich oder zufällig Mitglied der Partei gewesen ist. Was sich für ungeheure Schwierigkeiten sofort und für später aus dem Ereignis ergeben, vermag der Fernerstehende nicht zu beurteilen, aber auch das muß überwunden werden.[…]

Quelle: Külz: Ein Liberaler (1989/D), S.94 (Abdruck).

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