Nr. 333a
30. Juni 1947

Bericht des Landeskriminalamtes an die Deutsche Verwaltung des Innern Berlin


Weimar, den 30. Juni 1947
Land ThüringenMinisterium des InnernLandespolizeiamt - Landeskriminalamt

An die
Deutsche Verwaltung des Innernin der sowjetischen BesatzungszoneBerlin-Wilhelmsruh

Betrifft: Attentat auf den Landtagspräsidenten, Herrn August F r ö l i c h 1

Am 30.6.1947 zwischen 8.30 und 9.00 wurde auf den Landtagspräsidenten, Herrn August Frölich, ein Attentat verübt. Der Täter ist […], 2 geb. am […] 1920 in Weimar, wohnhaft in Weimar, […]. Der Genannte ist Mitglied der LDP und war beim Finanzamt (Telefonzentrale) beschäftigt.
[…] hat versucht, den Herrn Präsidenten im Büro des Landtagsgebäudes mit einem Dolchmesser zu erstechen. Durch die geschickte Abwehr des Herrn Präsidenten sowie das Hinzukommen der Regierungsräte Hessler und Hanisch konnte die Tat verhindert und […] festgenommen werden. Der Herr Präsident erlitt leichte Verletzungen am linken Oberarm, Ellenbogen und Daumen.Bezeichnend für die feste Absicht des Täters ist folgendes: Bereits am 28. ds. Mts. gegen 23.45 Uhr hat der Täter an der Privatwohnung des Herrn Präsidenten geklingelt und ersucht, in Privataudienz empfangen zu werden. Er hatte die Absicht, den Präsidenten in der Wohnung zu töten. Bei seiner Verhaftung gibt […] an: „Ich bedaure, dass es nicht geklappt hat, dass Frölich nicht tot ist!“ – Bei seiner Vernehmung erklärte er dann, dass er den Mord an dem Präsidenten einem Fememord 3 gleichstellt; nur idealistische Motive haben ihn zu dieser Tat bewegt. Hintermänner sind nicht vorhanden; das Attentat sei ausschliesslich sein Werk. Er hatte geglaubt, dass die SED nach diesem Mord eine Protestkundgebung auslösen und er hierbei als Diskussionsredner auftreten werde und er mit seinen politischen Plänen aus dieser Protestkundgebung gegen den Mörder eine Protestkundgebung gegen die russische Besatzungsmacht gestalten wird. Nach den ersten Vernehmungen durch die Kriminalpolizei hat sich die SMA des Landes Thüringen eingeschaltet und sich die weitere Bearbeitung der Angelegenheit vorbehalten.
Herrn Abt.L. Schönherr
Geissler z.K. (Geissler) Herrn Roßner Landeskriminaldirektor.z.K.

Quelle: Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, MfS, AS 977/67, Bl. 7r (ms. Ausfertigung).

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