Nr. 320m
19. Juni 1947

Tagebucheintrag des LDP-Vorsitzenden Wilhelm Külz


Berlin, den 19. Juni 1947
[…] Bei meiner Ankunft in Berlin erwartete mich ein neues Vergnügen. Das Scheitern der in München abgehaltenen Konferenz der Ministerpräsidenten hatte den gerade in Erfurt tagenden Landesparteitag der Thüringer Partei zu einer Entschließung verführt, die der Sowjet-Behörde stark mißfallen hatte, und zwar so stark, daß sie damit umging, den Parteitag in Eisenach 1 zu verbieten. Die Situation mußte also schleunigst bereinigt werden. Mit den aus Weimar herbeigeholten beiden demokratischen Ministern Moog und Külz begab ich mich nach Karlshorst. Es gelang dort in etwa 1 1/2 -stündiger Aussprache, die Spannung zu lösen. Eine gewisse Spannung hatte sich auch sonst ergeben, da einigen Parteifreunden in Thüringen und Berlin meine Erklärung über die Minister[präsidenten]konferenz zu russenfreundlich erschien. 2 Ein anonym gebliebener Parteifreund hatte sogar den Geschmack, im „Abend“ gegen meine Einstellung zu polemisieren. Aber auch diese Divergenz wurde in der Parteivorstands-Sitzung am 18. 6. schnell aus der Welt geschafft. Die überwiegende Mehrheit der Landesverbände teilte meine Auffassung, und Thüringen und Berlin beruhigten sich. […]

Quelle: Bundesarchiv Koblenz, N 1042, Nr. 146, Bl. 119r, 121r (ms. Ausfertigung); abgedr. in: Külz: Ein Liberaler (1989/D), S. 88f.

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