Nr. 427
24. November 1966

Zeugenaussage des früheren Büroangestellten Hans Mackson im Entschädigungsverfahren Rudolf Pauls


Zur Person :
Ich heiße Dr. Hans Mackson, 65 Jahre alt, Rechtsanwalt in Berlin, mit den Parteien nicht verwandt und nicht verschwägert
Zur Sache
:
Ich bin von Ende 1929 bis März 1931 in der Praxis Dres. Paul und Hauptmann als Assessor und juristischer Mitarbeiter tätig gewesen. Mein besonderes Arbeitsgebiet waren die Amtsgerichtssachen. Ich kann bestätigen, daß an Termintagen in der Regel bis zu 60-70 Sachen anstanden und mir ist in Erinnerung, daß die Zahl an die 100 herumlagen. Dabei handelte es sich aber zum größten Teil um Versäumnissachen.Die Praxis Dres. Paul und Hauptmann war derart eingeteilt, daß Dr. Paul in der Hauptsache Strafsachen übernahm und daß Dr. Hauptmann die Zivilsachen unter sich hatte. Beide Anwälte waren Notare. Ich kann nicht sagen, wie hoch der Anteil des Notariats in der Praxis war, sondern ich muß auf das Schreiben vom 8. Januar 1959 des Dr. Hauptmann Bezug nehmen. Die Praxis von Dr. Paul und Dr. Hauptmann war außerordentlich umfangreich. Ich glaube, daß sie zwar nicht die objektmäßig größte, aber die umfangreichste Praxis von Gera war. Ich erinnere mich, daß mir mein Freund Dr. Hauptmann einmal im Jahre 1930 erzählte, daß die Roheinnahmen der Praxis sich auf etwa 150.000 bis 175.000, -- RM beliefen. Die Zahl der Angestellten weiß ich nicht mehr genau.In Thüringen war es zulässig, daß die Anwälte Zweigbüros in kleinen Landorten unterhielten. Die Praxis von Dres. Paul und Hauptmann enthielt zwei Zweigstellen. Eine davon befand sich in einer kleinen Industriestadt Weida.
Auf Vorhalt:
Die Notariatssachen wurden während der Sprechstunde abgewickelt.
Auf weiteren Vorhalt
:
Die Spesen der Praxis dürften geringer gewesen sein als bei einer gleichartigen Praxis in Berlin. Immerhin bekam der Bürovorsteher nach meiner Erinnerung etwa 800, -- RM im Monat, ich selbst als Assessor erhielt 1.000, -- RM.Ich erinnere mich, daß in Berlin die Finanzämter einen Pausch[al]satz für Werbungskosten in Höhe von 30 % ansetzten, sofern nicht höhere Werbungskosten nachgewiesen wurden.

Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 518, Nr. 20349, Bd. 2, Bl. 198r (ms. Ausfertigung).