Nr. 423a
18. Februar 1958

Schreiben des früheren Thüringer Finanzministers und LDP-Vorsitzenden Leonhard Moog an Hartmut Gerstenhauer von der „Bundeslandsmannschaft Thüringen“


München, den 18. Februar 1958


Herrn
Hartmut G e r s t e n h a u e r„Bundeslandsmannschaft Thüringen“ S c h l e s w i g .

Mein lieber Freund Gerstenhauer!

Ich bin erst dieser Tage auf den Artikel „Schwerer Gewissenskonflikt“ in No. […] 1 /57 unserer Mitteilungen: „T h ü r i n g e n“ gestossen und muss offen sagen, es gefällt mir gar nicht, dass wir uns sicher zur Freude westl. Behörden so offen herunterzerren. Dies schrieb ich auch schon einmal an die „Thüringer Tageszeitung“. Mag jeder über Dr. P a u l denken wie er will, die meisten Behauptungen gehen doch von ganz falschen Voraussetzungen aus. Ich war ja vom Septbr. 1936 bis Septrb. 1947 sein Stellvertreter in der Thür. Regierung und kann infolgedessen viele ihm gemachten Vorwürfe besser beurteilen. Auch ich habe mich über seinen Wechsel zur SED von der LDP nicht etwa gefreut, sondern habe es ihm oft zum Vorwurf gemacht. Später sah ich es doch mit anderen Augen an. Jedenfalls war er bis 1947 der einzige Ministerpräsident der Zone, der für die Aufrechterhaltung eines Rechtsstaates stets besorgt war. Das werden ihm alle seine gerecht denkenden Mitarbeiter nie vergessen.
Wenn es mal passt, werde ich bei einem grösseren Treffen gern darüber nähere Ausführungen machen.Bitte sorge dafür, dass diese öffentlichen Diskussionen in Zukunft in unserem Blatt unterbleiben.
Mit landm. Gruss Dein
Leo Moog

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Nachlass Rudolf Paul, Nr. 4, Bl. 77r (ms. Ausfertigung).

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