Nr. 418b
17. Januar 1957

Antwortschreiben Rudolf Pauls


Abschrift

Aus IIb P 97


Frankfurt am Main, den 17. 1. 1957
NotarProf. Dr. Rudolf PaulDr. Dr. Albert PaulRechtsanwälte

Herrn
Erich A. HindermannFrankfurt (Main)

Durch mein Büro wurde mir Ihr Schreiben vom 14.1.1957 vorgelegt.
Aus seinem Inhalt kann ich nur entnehmen daß Sie sich in der Grenznähe des § 51 StGB bewegen, denn alles das, was Sie in Ihrer Epistel schreiben, ist übelste Verleumdung. Am Tage des Einmarsches der Russen hatte ich sehr viel andere Sorgen, als mich im Ihre Person zu kümmern, die mir im übrigen völlig unbekannt ist, es sei denn, Sie sind der Hindermann, der von mir 1923 als Staatsanwalt verhaftet worden ist, der zu der Gruppe gehörte, die 1 sich dem März-Putsch Hitlers 2 anschloß. Von all dem, was Sie sonst schreiben, ist mir nicht das geringste bekannt. Den von Ihnen genannten Herrn Charisius müssen Sie mir zuvor vorstellen. Es ist auch eine unglaubliche Diskrepanz, daß Sie auf der einen Seite schreiben, daß der Leiter der NWD Sie habe zum Polizeidirektor machen wollen, während Sie in Wahrheit nach Ihrer Ausführung den Weg in ein russisches KZ gefunden hätten. Erfunden ist ebenso Ihre Behauptung, daß ich meinen Vorzimmer-Direktor bestimmt hätte, in die KPD einzutreten.Ihre Vorhaltungen im Schloß zu Weimar sind mir unbekannt. Sie wären niemals bei der auf mir ruhenden Arbeitslast zu einem Vortrag in privater Angelegenheit vorgelassen, sondern in einem der Vorzimmer bzw. an das zuständige Amt verwiesen worden.Wenn Sie im Oktober 1945 verhaftet worden sind, so müssen Sie sich mit Herrn Busse auseinandersetzen, dem die Polizei des Landes unterstand.Im Gegensatz zu Ihren, allen Tatsachen widersprechenden Behauptungen, liegen eine Fülle von Gutachten der führendsten Persönlichkeiten Thüringens vor, die genau das Gegenteil von dem bekunden, als Sie in Ihrem Schreiben anführen.Ihre Behauptung, daß ich nach dem Mammon gestrebt habe, dürfte in der Tatsache, daß ich mein gesamtes Vermögen aufgab und im Jahre 1947 – die Meisten saßen noch Jahre in der Sowjetzone – nach dem Westen gegangen bin, seine Widerlegung finden.Der von Ihnen aufgezählte Dr. Kolter ist von mir vor der Verhaftung gerettet worden und Sie haben wiederum einmal Pech, als der Stellvertreter von Dr. Kolter in Bonn weilt und mir genau für das Gegenteil von dem, was Sie behaupten, als Zeuge zur Verfügung steht.Von Ihrer Geraer Nachbarschaft sowie von Ihrer Person ist mir nicht das geringste bekannt.Ich halte es unter meiner würde, mich mit einem Menschen auseinanderzusetzen, der einmal offensichtlich seine Gedanken nicht richtig beisammen hat und zum zweiten durch die Art und Weise seines Schreibens sich außerhalb der Linie eines Menschen stellt, mit dem man sich in der gebotenen Form auseinandersetzt.
Dr. P a u l


Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 505, Nr. 1267, Bl. 102c, 102d (Abschrift).

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