Nr. 404a
17. Juli 1951

Bescheinigung der politischen Haltung Rudolf Pauls in der SBZ


17. 7. 1951

Bescheinigung .


Hiermit bescheinige ich Herrn Professor Dr. Rudolf P a u l folgendes:

1) Seine politische Haltung, unter den in der sowjetisch besetzten Zone obwaltenden Verhältnissen zu einer freiheitlich demokratischen gesamtdeutschen Lösung zu kommen, war sauber und mutig.

2) Professor Dr. Paul war ständig von einer NKWD-Agentin 1 beschattet, für ihn Grund genug, in allem äusserst vorsichtig zu handeln.

3) Die kommunistischen Kader in der SED waren Dr. Paul gegenüber sehr misstrauisch. Wo sich eine Gelegenheit bot, wurde Herr Professor Dr. Paul bei der SED-Führung angeschwärzt.
Zwischen SED-Landesleitung und Professor Dr. Paul wurde Krieg in Permanenz geführt.Ich selbst war in einigen Fällen als Vermittler eingesetzt.
4) Ungeachtet seiner persönlich gefährdeten Stellung hat Professor Dr. Paul in der Zeit, als er glaubte, dass man auf ihn in seiner Staatsfunktion nicht verzichten wollte, sich schützend vor andere Gefährdete gestellt.

5) Erst als Herr Professor Dr. Paul erkannte, dass er seinem Lande und auch sonst niemand mehr nutzen kann, begab er sich auf die Flucht. Er liess seinen ganzen persönlichen Besitz, dabei auch seinen Bauernhof, zurück, der ihn in der Zeit von 1933-1945 ernährte, als ihm die Zulassung zur Anwaltschaft während der Nazizeit genommen war.

6) Seine Entscheidung, die er mit der Flucht traf, war eine politische.

7) Eine Rückkehr in seine Heimat unter den obwaltenden Umständen ist unmöglich; sie würde für ihn Freiheitsentzug mit der Gefahr für Leib und Leben bedeuten.
Diese Erklärung gebe ich aus meiner genauen Kenntnis des Sachverhalts.
(Erich W. Gniffke) 2


Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Nachlass Rudolf Paul, Nr. 4, Bl. 32r (ms. Ausfertigung mit hs. Korrekturen).

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