Nr. 390a
28. Dezember 1947
Meldungen des „Telegraf“ (Berlin) und des „Tagesspiegel“ (Berlin) über Rudolf Pauls Erscheinen in München


Herr Paul meldet sich

DENA meldet aus München:
„Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dr. Rudolf Paul, der Anfang September dieses Jahres die sowjetische Besatzungszone mit unbekanntem Ziel verlassen hatte und von dem seither jede Spur fehlte, ist – wie aus zuverlässiger Quelle verlautet – am Donnerstag 1 in München eingetroffen. Nach seiner Ankunft besuchte Dr. Paul den ehemaligen bayerischen Landwirtschaftsminister Dr. Josef Baumgartner und hatte am Sonnabend eine längere Unterredung mit dem Chef der bayerischen Staatskanzlei, Dr. Anton Pfeiffer. Da Ministerpräsident Dr. Hans Ehard zur Zeit in Bamberg weilt, konnte er an den Besprechungen nicht teilnehmen. Staatsminister Pfeiffer lehnte es ab, irgendwelche Erklärungen über den Inhalt seiner Besprechungen mit Dr. Paul abzugeben.“ Es ist immerhin bemerkenswert, daß Dr. Paul bei dem Heraustreten aus dem Dunkel, das ihn bisher umgab, mit maßgebenden Persönlichkeiten der CSU Fühlung suchte. Glaubt etwa der geschäftige und wandlungsfähige Herr, der selbst vor einem Eintritt in die SED nicht zurückschreckte, in Süddeutschland politische Geschäfte machen zu können? Für Leute seines Schlages sollte in der politischen Arena Deutschlands kein Platz sein.Quelle: Telegraf, 28.12.1947, Zeitungsausschnitte in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 227/1, Bl. 102r.
Dr. Paul in München

München (DENA). Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dr. Rudolf Paul, der Anfang September aus der russischen Zone geflohen war, traf, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, am Donnerstag in München ein. Dr. Paul besuchte den zurückgetretenen Landwirtschaftsminister Dr. Baumgartner und den Chef der bayerischen Staatskanzlei, Dr. Anton Pfeiffer. Staatsminister Pfeiffer lehnte es ab, Erklärungen über den Inhalt der Besprechungen abzugeben.

München (DPD). Dr. Paul übergab der „Neuen Zeitung“ eine Erklärung, in der es heißt, daß er sich im einzelnen noch über die Gründe seiner Flucht äußern werde. Zunächst sei festzustellen, daß er „nach hartem innerem Kampf“ seine Heimat verlassen habe, weil er nicht länger zusehen wollte, „wie von Monat zu Monat zunehmend die Verlogenheit der Demokratie in der Ostzone, die Lüge um die Einheit und der Verrat deutschen Landes und deutschen Volkes immer offenkundiger und immer dreister sichtbar wurden.“ Ein wichtiger Anlaß sei gewesen, daß man in einem Aufruf gegen den Marshall-Plan in der gesamten Ostpresse an die Spitze der Unterschriften seinen Namen gesetzt habe. Dies sei eine der üblichen Fälschungen gewesen.



Quelle: Tagesspiegel, 28.12.1947, Zeitungsausschnitt in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 227/1, Bl. 102r.

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