Nr. 308d
30. Mai 1947

Antworttelegramm des bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard


A b s c h r i f t 1

An den Ministerpräsidenten von Thüringen,
Herrn Dr. Rudolph P a u l W e i m a r
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Sehr geehrter Herr Ministerpräsident. Ich beehre mich, den Empfang Ihres Telegramms vom 28. Mai zu bestätigen, in dem Sie zu der Einladung der bayerischen Staatsregierung vom 8. Mai Stellung nehmen und sich zu der Aufforderung äußern, an der Konferenz der deutschen Ministerpräsidenten zur Beratung gemeinsamer Notmaßnahmen teilzunehmen. 2 Die Gesichtspunkte, die der Herr sächsische Ministerpräsident Dr. h.c. Friedrichs in der Besprechung mit mir am Abend des 23. Mai in Hof vorbrachte, 3 wurden hier noch einmal einer eingehenden Prüfung unterzogen. Wir sind mit Ihnen einig, daß Probleme, deren Lösung wir gemeinsam anstreben, das ganze deutsche Volk betreffen und über den Rahmen der einzelnen Länder hinausgehen. Gerade dieser Erwägung entsprach die Initiative der bayerischen Staatsregierung. Für ihre Verwirklichung sieht die bayerische Staatsregierung auch nach dem bisherigen Anlauf der Vorbereitungen keine andere Möglichkeit als die Durchführung der Konferenz in der ursprünglich geplanten Form in München. Von den Regierungen der Länder und Freien Städte der drei anderen Zonen und der Stadt Berlin wurden bereits Zusagen auf die von hier ergangenen Einladungen, die ausdrücklich an die Regierungschefs gerichtet waren, erteilt. Eine Änderung des Rahmens und des Tagungsortes würde diesen hoffnungsvollen Auftakt wieder in Frage stellen. Aus dem Echo auf die Einladung entnimmt die bayerische Staatsregierung, daß die Regierungen und die Bevölkerung in allen Zonen ihre Erwartungen und Hoffnungen teilen, die Münchener Besprechungen möchten einen Anfang für weitere und engere Zusammenarbeit bilden, um in der gegebenen Notlage alle Kräfte, soweit es in der Macht der deutschen Regierungen steht, zur Bekämpfung der uns alle [be]drängenden Not zu vereinigen und gangbare Wege für die wirtschaftliche und politische Einheit Deutschlands zu weisen. Für die Aufstellung des Entwurfs einer Tagesordnung bittet die bayerische Regierung, ein bevollmächtigtes Delegationsmitglied zu Vorbesprechungen am Mittwoch, den 4. Juni, um 10.00 Uhr, in die bayerische Staatskanzlei nach München zu entsenden. Die Festsetzung der endgültigen Tagesordnung für die Arbeitssitzungen würde zweckmässigerweise in der Besprechung der Regierungschefs am 5. Juni, abends, erfolgen, wobei auch der in Ziffer 2 Ihres Telegrammes enthaltene Vorschlag beraten werden sollte. Die Einberufung weiterer Konferenzen und die Festlegung ihres Rahmens kann auf der kommenden Konferenz zur Sprache gebracht werden, wobei die bayerische Regierung auch eine spätere Tagung in Berlin durchaus begrüßen würde. Ich wiederhole die Einladung zu der Konferenz in München mit besonderer Herzlichkeit und darf der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Regierung, der Sie vorstehen, unserer Initiative zur Zusammenfassung aller deutschen Länder und Freien Städte zu praktischer Arbeit ihre Unterstützung leihen wird. Ich glaube damit auch im Namen der Regierungen und Länder zu sprechen, die die Einladung bereits angenommen haben. […] 4 Für eine baldige Zusage unter Bekanntgabe der Namen der Sie begleitenden beiden Delegierten wäre ich dankbar. An die Ministerpräsidenten, die mit Ihnen gemeinsam an mich drahte[te]n, habe ich in gleichem Sinne telegrafiert =

Mit vorzüglicher Hochachtung
Dr. Hand EhardBayerischer Ministerpräsident

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 400, Bl. 125r, 126r (ms. Abschrift).

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