Nr. 305e
25. Mai 1947

Fernspruch des Stellvertreters des Politischen Beraters der SMAD an das sowjetische Außenministerium über das Gespräch in Hof


25. Mai 1947
Ferngespräch aus BerlinEilt
Genossen Smirnow, A.A. 1

Die Ergebnisse der Vorgespräche zwischen Friedrichs (sowjetische Zone) und Ehard anläßlich der in München geplanten Beratung der Ministerpräsidenten sind folgende:
Auf den Vorschlag Friedrichs, Vertreter der politischen Parteien und anderer antifaschistischer Organisationen (die Gewerkschaften nannte er nicht explizit) zur Teilnahme an der Beratung einzuladen, antwortete Ehard, dies sei aus folgenden Gründen nicht möglich:1. Zu einer erweiterten Beratung unter Einbeziehung der Parteien würden die Ministerpräsidenten aus der französischen Zone vermutlich nicht anreisen.2. Angesichts dessen, daß es bislang noch nicht gelungen ist, mit Schumacher eine Einigung über ein gemeinsames Parteientreffen zu erzielen, muß befürchtet werden, daß auch die Ministerpräsidenten aus der britischen Zone zu einer derartigen Beratung nicht anreisen würden.3. Die amerikanische Militäradministration würde eine so breitangelegte Aktion nicht gerne sehen.4. Auch müßten Prestigefragen berücksichtigt werden.Ehard erklärte gegenüber Friedrichs, daß er seine Meinung aufgrund dieser Überlegungen nicht ändern könne. Wenn die betreffenden Minister[präsidenten] es jedoch wünschten, könnten sie zwei Begleiter zur Konferenz mitbringen; einen Vertreter des Landtages und einen führenden Parteipolitiker.Friedrichs teilt mit, er habe diese Einwände weder akzeptiert noch zurückgewiesen und Ehard lediglich zugesagt, nochmals die Ministerpräsidenten der sowjetischen Zone zu konsultieren. Die Frage einer Verlegung des Tagungsortes nach Berlin habe er nach eigener Aussage nicht mehr aufgeworfen, da bereits Einwände gegen eine Beteiligung der Parteien erhoben worden seien. Es ist ernsthaft zu befürchten, daß auch der SED-Vorstand die günstige Situation nicht nutzt, die sich aus der Ablehnung durch Ehard ergeben hat, und versucht, einen Kompromiß zwischen uns und Ehard zu finden. Man muß berücksichtigen, daß die Mehrheit der SED-Führer, Pieck eingeschlossen, den Vorwurf fürchtete für die Einheit Deutschlands angeblich nützliche Maßnahme zu Fall gebracht zu haben. Insbesondere die ehemaligen Sozialdemokraten, darunter auch Grotewohl, halten das Münchener Treffen der Ministerpräsidenten für sinnvoll, wenn es dabei um engbegrenzte wirtschaftliche Fragen, so etwa den Interzonenhandel u.ä.m. ginge. Wir haben den Eindruck, daß sowohl Pieck als auch Grotewohl die prinzipielle Seite dieser Frage nicht erkannt haben, und sich daraus ihre Unentschlossenheit erklärt. Es ist nicht auszuschließen, dass sie auch die Ergebnisse der Moskauer SMID-Tagung 2 nicht richtig verstanden haben. Am 27. Mai wird eine Sitzung des SED-Vorstands 3 stattfinden, in der u.a. auch diese Frage behandelt werden soll. Wir halten es daher für angezeigt, vorab mit Pieck, Grotewohl und Ulbricht zu sprechen und ihnen zu bedeuten, daß die SMAD einer Teilnahme der sowjetischen Zone an der von den Amerikanern geplanten Beratung unter keinen Umständen zustimmen wird, wenn der Teilnehmerkreis nicht in dem von uns vorgeschlagenen Sinne erweitert und der Tagungsort nicht nach Berlin verlegt wird. Wir halten es ferner für angezeigt, mit ihnen darüber zu reden, wie sie die Ergebnisse der Moskauer SMID-Tagung bewerten und ihnen den Sinn der dort getroffenen Vereinbarungen sowie die Ursachen für die Meinungsverschiedenheiten bezüglich jener Fragen zu erläutern, in denen keine Übereinkunft erzielt werden konnte. Ich bitte um ihre Anweisungen. 4
I w a n o w


Quelle: Laufer/Kynin: Die UdSSR (2004/D), Bd. 3, S. 290f.(Abdruck in deutscher Übersetzung).

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