Nr. 305c
22./23. Mai 1947

Vermerk des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts Erhard Hübener über seine Telefonate mit dem LDP-Vorsitzenden Wilhelm Külz


Der Ministerpräsident
Halle, den 23. Mai 1947
Vermerk.
Gestern wurde ich auf mehrfachem Wege gebeten, am Abend den Vorsitzenden der LDP, Herrn Dr. Külz, telefonisch anzurufen. In zwei Gesprächen zwischen 20 und 22 Uhr habe ich mit ihm die Münchener Frage besprochen. Er teilte mir mit, daß auf Grund meiner Verweigerung der Unterschrift unter dem Entwurf eines Antwortschreibens der Ministerpräsidenten Herr Ministerpräsident Dr. Friedrichs heute Mittag 12 Uhr mit Herrn Ministerpräsident Ehard zusammenkommen werde, um mit diesem eine neue Grundlage für die Konferenz zu besprechen. Bei diesen Verhandlungen werde die Teilnahme der Parteivertreter nicht als unabdingbare Voraussetzung behandelt werden, andererseits stehe zu erwarten, daß die Einladung auch auf die Vorsitzenden der Landtage ausgedehnt werde. Auch die Verlegung des Tagungsortes nach Berlin werde von Herrn Dr. Friedrichs nicht zur absoluten Bedingung gemacht werden. Ich wurde gefragt, wie ich mich zu einer Änderung des Gesamtplanes stellen würde. Ich habe darauf erwidert, daß ich keinen Anlaß hätte, bayerischer zu sein als Herr Ehard und daß ich mich mit einer solchen Abänderung des Planes abfinden würde. Ich habe aber keine Zweifel gelassen , daß ich nach München fahren würde, wenn eine solche Vereinbarung nicht zustande käme, die Münchener Konferenz stattfände und die Administration meine Reise nicht hindere. Mit diesen Auffassungen erklärte sich Herr Dr. Külz einverstanden. Die längeren Gespräche, zwischen denen noch eine erneute telefonische Rücksprache des Herrn Dr. Külz mit Herrn Wilhelm Pieck stattgefunden hatte, ergab, daß Herr Dr. Külz zwar von der Schierker Besprechung 1 wußte, daß ihm aber nicht mitteilt worden war, daß am 11. ein entgegenkommenderes Antwortschreiben beschlossen und von mir am Tage darauf unterschrieben war. Wichtig war noch, daß Herr Pieck erklärte, daß das zweite Schreiben keinen ultimativen Charakter hätte haben sollen. Ich erklärte darauf, daß dann der Entwurf stilistisch unzulänglich gewesen sei; man würde im Westen dieses Schreiben zweifellos als Absage empfunden haben. Auch Herr Dr. Külz erklärte vorsichtig, daß der Entwurf nicht glücklich formuliert gewesen sei.
[gez.] Hübener


Quelle: Steininger: Dieser Vorfall (1992/F), S. 218f. (Abdruck); auch abgedr. in: Haase/Gehrmann: Zur Teilnahme (1997/D), S. 19f.; Wille: An der Spitze (2001/D), S 102.

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