Nr. 300c
17. Mai 1947

Telefonischer Bericht des Thüringer Ministerpräsidenten Rudolf Paul an das Büro Pieck über Erich Roßmanns Besuch in Weimar


Telefonat aus Weimar am 17.5.1947 um 14 Uhr von Dr. Paul: 1

Paul teilt mit, dass bei ihm erschienen ist Rossmann (SPD), Generalsekretär des Länderrates in Stuttgart, der im persönlichen Auftrage der vier Ministerpräsidenten in der amerikanischen Zone – Bayern, Baden-Württemberg, 2 Hessen und Bremen kam, und in ihrem Namen durch Paul den fünf Ministerpräsidenten der sowjetischen Besatzungszone besonders ans Herz lege, der Einladung nach München Folge zu leisten. Wegen der Tagesordnung würde die Beratung so gehandhabt werden, dass alles von der Tagesordnung abgesetzt werde[n], was die fünf Ministerpräsidenten nicht behandelt haben wollen und alles auf die Tagesordnung gesetzt werden würde, was sie wünschen. Als vorgesehene Tagesordnungspunkte würde folgender

Vorschlag gemacht:
1. Die Lage in Deutschland2. Die notwendigen wirtschaftlichen Massnahmen vor Eintritt des Winters3. Währungsübergang4. Rohstoffkredite5. Freier Aussen- und Interzonalerhandel6. Demontage
Zur innerpolitischen Lage:
1. Die Selbstzerfleischung der Deutschen untereinander einstellen2. Die Frage prüfen, ob ein baldiger Abschluss der Entnazifizierung möglich ist3. Klarheit über die Ernährungsmöglichkeiten im gesamten Deutschland4. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Hungers5. Die Ministerpräsidenten bezweifeln nicht die Berechtigungder Reparationsforderungen, sind auch bereit dazu, aber es müsse geprüft werden, wie weit ein Kranker (der das deutsche Volk ist) dazu in der Lage sei6. Prüfung der Flüchtlingsfrage7. Grösse der Opfer des Faschismus prüfen8. Empfehlung an die Alliierten, ein Besatzungsstatut für ganz Deutschland herauszugeben
Es sollen nicht behandelt werden Fragen, über die Differenzen entstehen können und zwar:
a) Zentralismus und Föderalismusb) Grenzziehung
Es wurde hinzugefügt, dass diese ganzen Punkte nur Vorschläge sind, und dass dazu gesetzt werden könnte, was von den Ministerpräsidenten der sowjetischen Besatzungszone gefordert werden würde.
Paul hat den Ministerpräsidenten Friedrichs in Sachsen von diesen Vorschlägen in Kenntnis gesetzt, ebenso den General in Thüringen, 3 der bei ihm war. Rossmann habe zum Abschluss erklärt, dass die Konferenz dazu beitragen wird, die über die Einheitsfeindlichkeit Bayerns verbreiteten Gerüchte zu zerstreuen. Sie sind für die Erhaltung der Einheit Deutschlands.

Quelle: Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR, Zentrales Parteiarchiv [der SED], NY 4036, Nr. 753, Bl. 2r (ms. Niederschrift).

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