Nr. 295b
7. Mai 1947

Verlautbarung der bayerischen Staatsregierung zur Einladung


Die Pressestelle gibt bekannt:
Der bayerische Ministerpräsident Hans Ehard, hat am 7. Mai 1947 im Namen der bayerischen Staatsregierung die Ministerpräsidenten aller Länder der vier Besatzungszonen für Anfang Juni zu einer Zusammenkunft nach München eingeladen. Das Ergebnis der Moskauer Konferenz der vier Außenminister der Großmächte 1 wird vom ganzen deutschen Volk als Fehlschlag empfunden. Das deutsche Volk ist physisch und seelisch nicht mehr fähig, einen neuen Winter mit Hunger und Frieren, im Wohnungselend zerstörter Großstädte, in wirtschaftlicher Auszehrung und in politischer Hoffnungslosigkeit abzuwarten. Darum ist es die Pflicht verantwortungsbewußter deutscher Regierungen, die Zeit bis zur Londoner Konferenz, die im Anfang des nächsten Winters stattfinden soll, 2 nicht in tatenlosem Abwarten verstreichen zu lassen. Aus dieser Überlegung heraus hat die bayerische Staatsregierung die Initiative für eine Zusammenkunft aller deutschen Ministerpräsidenten ergriffen, damit Maßnahmen beraten werden können, die ein weiteres Abgleiten des deutschen Volkes in ein rettungsloses wirtschaftliches und politisches Chaos verhindern sollen und deren Ausführung den alliierten Militärregierungen vorzuschlagen ist. So glaubt man dem deutschen Volk die Hoffnung auf eine langsame Besserung seines Schicksals geben zu können, wenn alle Teile Deutschlands sich einträchtig um Überwindung der Not bemühen.Die bayerische Regierung ist sich ihrer Pflicht nicht nur gegenüber dem bayerischen, sondern gegenüber dem gesamten deutschen Volk bewußt. Sie ist von der Überzeugung durchdrungen, daß das Ziel all dieser Bestrebungen sein muß, rechtzeitig alle Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, daß wir dem nächsten Winter nach Kräften gerüstet entgegensehen und ihn erträglich überstehen können.Es wird in Deutschland als ein schwerer Schlag empfunden, daß die Moskauer Konferenz den Zusammenschluß der vier Zonen zur Wirtschaftseinheit nicht gebracht und erst recht die Aussicht auf Schaffung eines politischen Oberbaus wieder weiter hinausgeschoben hat. Um so mehr hoffen wir nun in Bayern, daß zu der für Anfang Juni geplanten Zusammenkunft in München auch die Regierungschefs der sowjetischen und der französischen Zone erscheinen werden. Ein Gedankenaustausch zwischen den berufenen Vertretern aus Nord und Süd, aus dem Osten und Westen Deutschlands kann zur Klärung der Auffassungen beitragen und fruchtbar werden für die Zukunft von ganz Deutschland.

Quelle: Werner: Akten (1989/D), Bd. 2, S. 426f. (Abdruck).

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