Nr. 278
20. Februar 1947

Das Sekretariat des SED-Landesvorstandes zum winterbedingten Notstand in der Kohle- und Energieversorgung


Sekretariatssitzung 20.2.1947

Anwesend : Hoffmann, Appell, Heilmann, Wolf, Busse, Emma Sachse, Doerr, Strampfer,
Trude Schimpf, Kupfer, Klaus, Kops, Wagner, Wachtel
Tagesordnung
:
Bericht des Genossen Appell über ausserordentlichen Notstand in der Kohleversorgung und Energiewirtschaft.
Vorsitz
: Genosse Hoffmann

Genosse Appell 1 berichtet, daß er wahrscheinlich 60% des Stromes abschalten lassen muss. Seit Tagen ist keine Kohle mehr nach Thüringen gegangen. Nur die SAG’s und Reparationsbetriebe werden noch beliefert. Die Elektrizitätswerke brauchen 750 to pro Tag. Der Vorrat reicht bis morgen Mittag. Die Lage in Sachsen und Provinz Sachsen ist ähnlich. Es bestehen folgende Möglichkeiten:
1. Wegnahme vom Reichsbahnsektor.2. Wir müssen erreichen, daß die SAG’s und Reparationsbetriebe ebenfalls unter die Kürzungfallen.Genosse Appell hat Weisung, morgen den Strom abschalten zu lassen. Die Lokomotiven werden nur noch für den Kohleantransport eingesetzt werden. Die Lage hat sich dadurch verschlechtert, daß wir heute 50 Züge von Halle übernehmen mussten, worunter sich nur ein Kohlenzug befand. Durch Soforteinsatz von Lokomotiven könnten [wir] 11 Züge mit Kohle freigemacht werden, das würde 1600 to bedeuten. Die Reichsbahn hat den Transport von 750 to Sofortbedarf zugesagt, was uns eine Atempause bis morgen Nachmittag geben würde. Hilfe von Karlshorst 2 aus ist fraglich. Unbedingte Ruhe muss gewahrt werden. Es darf keine Panik durch Abschaltungen entstehen. Diese lassen sich z.B. in der Landwirtschaft nicht vermeiden. Ferner wird von 22-5 Uhr jeder Stromverbrauch streng verboten werden. Es sind noch 26 Wagen mit Dienstkohle der Reichsbahn zur Verfügung. Es würde eine Erleichterung bedeuten, wenn wir alle Nebenbahnen (auch Berufsverkehr) lahm legen.Auf längere Sicht stehen zur Verfügung:85 Wagen für Kali-Industrie, 83 für Kraftwerke, 150 für SAG’s, 20 für die Rote Armee.In Gera geht man von Haus zu Haus und beschlagnahmt grössere Mengen, das nützt nicht viel und schafft Verbitterung.Es steht die Frage, den Landabsatz ab morgen einzustellen. Landbäckereien usw. müssen auf Holzfeuerung umstellen.Genosse Appell verhandelt noch heute mit den entscheidenden Stellen und wird uns sofort wieder Bericht geben.
Schluss der Sitzung 15.20 Uhr.


Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt, IV/L/2/3-031, Bl. 23r (ms. Ausfertigung).

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