Nr. 266i
14. März 1947

„Die Entnazifizierung in den Thüringer Schulen“. Erklärung der Landesregierung und des Landtagspräsidenten zur Bevin-Rede


Die Entnazifizierung in den Thüringer Schulen 1

Weimar
(ADN). Der Präsident 2 des Thüringer Landtages, Frölich, 3 Minister Dr. Appell 4 als Vertreter des erkrankten Ministerpräsidenten Paul, und der Minister für das Erziehungswesen Thüringens, Wolf, gaben folgende Erklärung ab:

„Wir haben erfahren, daß der britische Außenminister Bevin auf der Moskauer Konferenz erklärt hatte, in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und insbesondere in Thüringen würde es nicht besonders gut um die Entnazifizierung stehen. Minister Dr. Wolf hätte angeblich mitgeteilt, daß in den thüringischen Schulen noch 50 Prozent der Erzieher ehemalige Mitglieder der Nazipartei seien. Aus diesem Anlaß stellen wir fest: 1. Minister Dr. Wolf hat nie in einer Rede gesagt, daß in den Schulen Thüringens noch 50 Prozent ehemalige Mitglieder der Nazipartei als Lehrer tätig sind; 2. der Stand der Entnazifizierung unter den Lehrern Thüringens war am 10. März 1947 folgender: Insgesamt unterrichten in den Schulen Thüringens 10488 Lehrer, davon sind 755, d.h. 7,2 Prozent, ehemalige Mitglieder der Nazipartei; 5 3. seit Beginn der Entnazifizierung wurden 3816 Lehrer aus den von den Nazis entlassenen und aus den östlichen Gebieten eingetroffenen Lehrkräften neu eingestellt.“

Weimar, 14. März 1947. 6
gez. Frölich Vorsitzender des Thüringischen Landtages, 7 Minister Appell, für Ministerpräsidenten PaulDr. Wolf, Minister für das Erziehungswesen.

Quelle: Tägliche Rundschau, 15. 3. 1947, S. 3.

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