Nr. 260b
23. Dezember 1946

Schreiben des Landrates des Kreises Stadtroda zur Erfassungsfrage


Stadtroda, den 23. Dezember 1946
Der Landratdes Kreises Stadtroda
Herrn Garde-General-Major
K o l e s n i t s c h e n k o W e i m a r

Sehr geehrter Herr General!
Bei der Rücksprache, die Sie mir heute freundlicherweise gewährten, brachten Sie zum Ausdruck, daß ich in der Erfassungsfrage zu liberal gewesen sei. Ich erlaube mir zu gestatten, daß ich im Nachfolgenden die Strafmaßnahmen schildere, die zu ergreifen ich gezwungen war.Ich habe bis Ende Oktober 1946 zur Hereinbringung der pflanzlichen Erzeugnisse in 440 Fällen Geldstrafen verhängt in Höhe von 87.966, 60 RM; zur Hereinbringung der tierischen Erzeugnisse bis zum gleichen Zeitpunkt in 604 Fällen Geldstrafen verhängt in Höhe von 20.265,-- RM. 2 Bürgermeister wurden entlassen, weil sie sich nicht ausreichend für die Erfassung einsetzten. Von Ende Oktober bis zum 20. Dezember 1946 kamen außerdem 250 Fälle zur Bestrafung bzw. wurden die Vorgänge an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Von mir wurden im Ordnungsstrafverfahren nach dem 31. Oktober 135 Personen mit je 100 bis 500 RM bestraft. 6 Personen wurden mit Strafen belegt von 500 bis 1.000 RM; 1 Person mit 2.000 und 1 Person mit 3.000 RM bestraft.Vom Strafrichter wurden auf meinen Antrag hin 37 Personen mit Geldstrafen von 100 bis 1.500 RM insgesamt mit 16.070 RM belegt: des weiteren wurden 7 Personen mit Gefängnis von 2 Wochen bis 6 Monaten bestraft. 7 Personen wurden freigesprochen und über 17 Personen (Beschuldigte) ist noch kein Urteil gesprochen. Außerdem wurden 31 Bürgermeister wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht in bezug auf die Kontrollierung und Unterrichtung der Veranlagten und ablieferungspflichtigen Bauern mit Dienststrafverfügungen in Gestalt von Ordnungsstrafen mit insgesamt 5.300 RM belegt. Gegen den Bürgermeister von Saasa ist Strafanzeige beim Staatsanwalt gestellt. Im Auftrage der Kreiskommandantur wurden 22 Personen festgesetzt, die später nach Vernehmung durch die Kriminalpolizeistellen und gemäß Beschluß des Strafrichters wieder auf freien Fuß gesetzt wurden.Alle diese Maßnahmen waren notwendig, weil die Bauern des Landkreises Stadtroda seit altersher politisch reaktionär eingestellt sind erst durch die vorerwähnten Zwangsmaßnahmen zur pflichtgemäßen Ablieferung gezwungen werden mußten.Diesen Strafmaßnahmen und den fortwährenden Belehrungen durch Rundschreiben und in Bürgermeisterversammlungen dürfte es zu danken sein, daß das heutige Resultat in der Erfassung erzielt wurde.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener Schmidt (Schmidt)Landrat.

Quelle: Gosjudarstwenny archiw Rossijskoj Federazii [Staatsarchiv der Russischen Föderation, Moskau], f. 7184, op. 1, d. 15a [Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Z 47 F, Film Nr. 90177], Bl. 369r (deutsch, ms. Ausfertigung).