Nr. 246
25. November 1946

Beratung beim Landespräsidenten Rudolf Paul über den Thüringer Wirtschaftsplan 1947


P r o t o k o l l
über die Sitzung am 25. November 1946 im grossen Saal der Landesbank Thüringen.

Betr.: Wirtschaftsplan 1947

Landespräsident Paul eröffnete die Sitzung und führte aus, dass wir heute am Beginn eines neuen Weges stehen, denn ab heute würde die gesamte Verantwortung für alle wirtschaftlichen Vorgänge auf die Landesverwaltung gelegt worden sein. Nach neuestem Befehl der SMA sei ein Gesamtwirtschaftsplan 1947 aufzustellen. Es sei als reale Grundlage auszugehen nach den Erfahrungen von 1946, nur die effektive Produktionsfähigkeit sei zu berücksichtigen, ebenso nur die wirklich durchführbaren Reparationen (hauptsächlich für Maschinenbau). Im Jahre 1947 sei nicht mehr mit Demontagen ganzer Werke zu rechnen, evt. nur mit Demontagen einzelner Abteilungen, die Rüstungen hergestellt hätten. Anzustreben sei eine Erweiterung der Rohstoffbasis und eine bessere Versorgung der Bevölkerung. Ein- und Ausfuhr des Landes müsse ausgeglichen werden. Für die Aufstellung für die Vorpläne bis 29.11. und die Landespläne bis 3.12. sei eine erhebliche Überarbeit notwendig, die später durch freie Tage ausgeglichen werden könne. Die Landesplanungsstelle werde nach dem Befehl der SMA bei dem Präsidenten eingerichtet.
Herr Oberregierungsrat Riedel 1 betonte, dass der Aufbau nicht nach dem Autarkie-Gedanken geplant werden solle. Eine enge Zusammenarbeit mit der SMA sei unbedingt erforderlich. Für die Aufstellung der Zahlen würde noch mehr als früher strikte Bilanzehrlichkeit gefordert. Es könnten zu den Arbeiten auch Pgs., soweit sie nicht Aktivisten gewesen seien, nach Anordnung der SMA genommen werden. Herr Gräfe von der Landesplanungsstelle führte aus, dass es sich darum handele, den Bestand am Ende des Jahres 1946 und die Summe der Erzeugungsmöglichkeiten 1947 dem inneren Bedarf des Landes plus den Leistungen für die Besatzungsmacht gegenüber zu stellen. Die Defizite ergäben den notwendigen Import, die Überschüsse den möglichen Export. Es werden Spezifikationen nach den wichtigsten Waren gefordert. Es sei eine Unterteilung für deutsche und russische Betriebe vorgesehen. Ferner müssten die für notwendig gehaltenen Investierungen und Reparaturen angegeben werden.Herr Oberregierungsrat Arke von der Landesplanung unterrichtete über die im Ernährungssektor auszufüllenden Fragebögen.Herr Landesbankpräsident Gaertner stellte dem Kreditplan, der Sache der Landesbank sei, den durch das Landesamt für Finanzen zu bearbeitenden Finanzplan gegenüber.Landespräsident Paul weist darauf hin, dass durch die grössere Förderung von Rohstoffen auch ein grösserer Kreditbedarf als bisher auftreten werde und betont die unbedingte Notwendigkeit, den zivilen Sektor zu berücksichtigen.Herr Gräfe beziffert die Reparationsaufträge 1947 auf 330 Millionen Reichsmark. Die Reichsmark Werte für die einzelnen Positionen müssten von den jeweils zuständigen Landesämtern festgestellt werden.Ein Vertreter der Reichsbankdirektion weist darauf hin, dass die von ihr zu bearbeitenden Strecken sich nicht mit den Landesgrenzen decken.Oberregierungsrat Riedel sagte eine Antwort in kürzester Zeit zu.Herr Oberlandrat Wiese macht darauf aufmerksam, dass die Stopp-Preise nur in der Landwirtschaft vollkommen eingehalten seien, während die Industrie die Preise im erheblichen Umfange erhöht habe, so ergäbe sich daher für die Landwirtschaft ein ungünstiges Bild. Dies wirke sich auch für das Land ungünstig aus, wenn landwirtschaftliche Produkte exportiert und höher preisliche Industrieprodukte importiert würden.Oberregierungsrat Riedel betonte, dass diese Frage zentral für die gesamte Zone geregelt werden müsste.Schluss der Sitzung um 11.30.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 259, Bl. 224r, 225r (ms. Ausfertigung).

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