Nr. 242a
18. November 1946

Vorbesprechung beim Chef der SMATh-Unterabteilung Transport Michail I. Rumjanzew über den Wirtschaftsplan und das Planungsbüro des Landespräsidenten


Weimar, den 18.XI.1946
MB/vT.

A k t e n v e r m e r k

Betr. : Besprechung mit Major R u m i a n z e w und Herrn Landespräsident Dr. P a u l, gedolmetscht Frau Bauer.

Herr Major Rumianzew bittet Herrn Landespräsident, sofort eine Anordnung herausgehen zu lassen zwecks Ausarbeitung eines Planes der ganzen Wirtschaft für das Jahr 1947.
Herr Major Rumianzew schlägt vor, alle Landesdirektoren zwecks Besprechung dieses Planes einzuberufen, um sich im einzelnen von ihnen informieren zu lassen.Herr Major Rumianzew betont, dass Major K a p l u n in Berlin sei und sofort nach Rückkehr aus Berlin eine Besprechung bei Herrn Generalmajor S m i r n o w stattfinden wird, wo es gut wäre, wenn Herr Landespräsident schon mit fertigen Vorschlägen und Material erscheinen würde.Der Plan muss nach folgenden Punkten aufgestellt werden:
1. Was ist nach dem Plan und nach der Bilanz des Jahres 1946 dem Lande Thüringen verblieben, d. h. mit welchen Rohstoffen, Fertigfabrikaten in das Jahr 1947 hereingegangen wird.

2. Aufstellung eines neuen Planes nach einzeln getrennten Gebieten. Z.Bsp. was wird in der Industrie hergestellt, was gibt die Industrie Thüringens dem Land, einbezogen Schwerindustrie, Leichtindustrie, chem. Erzeugnisse usw., welche Rohstoffe brauchen die Betriebe zur Herstellung der einzelnen Fabrikate in natura sowie in Geldwert ausgedrückt.

3. Wohin gehen die einzelnen hergestellten Fabrikate einschliesslich der Fabrikate aus dem Handwerk.
In einzelne Betriebe (z.B. neue Maschinen usw.)Reparationenfür die Rote Armeefür die Sowj. Handelsorganisationen (wobei bei den Reparationen der Roten Armee und Sowj. Handelsorganisationen der Umfang des Planes 1946 als Grundlage dienen kann)LandwirtschaftKommunalwirtschaft Auto- und Eisenbahntransport 1 Wege und BrückenBevölkerung was bleibt für den Export übrig (ausgedrückt in Natur- und Geldwert).
4. Lebensmittel: Was wird in Thüringen hergestellt (in Natur- und Geldwert)
was geht an die Besatzungsmachtwas geht an die Bevölkerung (berechnet nach den Normen der einzelnen Lebensmittelkarten)was bleibt dem Lande zum Export.
5. Was braucht das Land Thüringen an Rohstoffen und Fertigfabrikaten (in Natur- und Geldwert ausgedrückt), wobei bei der Aufstellung des Planes eine ausgeglichene Handelsbilanz entstehen muss, d.h., dass Export und Import sich decken muss.

Bei der Aufstellung dieses Planes muss davon ausgegangen werden, dass das Land Thüringen ein vollständig selbständiges, unabhängiges Land ist. Major Rumianzew weist darauf hin, dass das Planungsbüro beim Präsidenten, das in nächster Zeit eingerichtet wird, sich in Zukunft mit all diesen Fragen befassen soll, und dass dieses Planungsbüro faktisch über den Landesdirektoren stehen wird, nicht nur mit Rat, sondern auch eine Kontrolle über die einzelnen Landesämter haben wird. Das Planungsbüro ist das Gehirn des Landes Thüringen. Jetzt macht diese Arbeit noch Herr R i e d e l, da das Planungsbüro beim Präsidenten noch nicht eingerichtet ist. Major Rumianzew bittet Herrn Landespräsident, zu der nächsten Besprechung in all diesen Fragen schon mit ausgearbeiteten Vorschlägen zu kommen, da die Arbeit des Büros eine der wichtigsten Stellen des Landes in Zukunft sein wird, von der das Aufblühen des Landes abhängt. Herr Major Rumianzew bittet Herrn Landespräsident, jetzt zur Hilfe für Herrn Riedel die besten Fachleute abzustellen, da von der Ausarbeitung dieses Planes das ganze wirtschaftliche Leben des Landes Thüringen im Jahre 1947 abhängen wird.
Zum 1. Dezember 1946 soll der Plan fertig vorliegen, wobei die Verantwortung auf den Präsidenten des Landes Thüringen gelegt wird.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 514, Bl. 207r-209r (ms. Ausfertigung).

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