Nr. 234d
18. November 1946

Pressemeldung über die Betriebsleiter-Konferenz landeseigener Betriebe mit der Rede des 1. Vizepräsidenten Ernst Busse


Land Thüringen
Landesamt für WirtschaftPresse Cz/Vo. -Weimar, den 18. November 1946.

Betriebsleiter-Konferenz der landeseigenen Betriebe am 18.11.1946 im Gewerkschaftshaus Jena, 9 Uhr.
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Der Leiter der landeseigenen Betriebe, Ministerialrat F e i l e n eröffnete die Konferenz und gab dem Landesdirektor für Arbeit und Sozialfürsorge M ü l l e r, zu einem längeren Referat, in dem er das Problem der Arbeitskraft behandelte, das Wort.

Es sprach dann der Sonderbeauftragte des FDGB im Landesamt für Wirtschaft, Herr Fechter. Er führte aus: Die landeseigenen Betriebe sind die organischen Produkte, aus denen sich die Zukunft entwickeln soll. Er ermahnte die Betriebsleiter, auch in ihren neuen Funktionen die alten treuen Gewerkschaftler zu bleiben.

Der 1. Vizepräsident des Landes Thüringen B u s s e führte aus: Auf die landeseigenen Betriebe sehen die Augen der Gewerkschaften, d.h. der schaffenden organisierten Arbeiter, die Augen des schaffenden Thüringer Volkes und seiner Organisationen. Es schauen auf die Betriebe die Augen der Besatzungsmacht sowie die Augen der wirtschaftlich interessierten Welt außerhalb unserer Zone. Jeder Schritt, der getan oder unterlassen wird, wird tausendfältig registriert. Die Betriebsleiter der landeseigenen Betriebe sind keine Privatpersonen, sondern Beauftragte. Sie wirtschaften nicht für sich, sondern sie wirtschaften in einem Auftrag. Sie sind Treuhänder, die dazu berufen sind, einer ganz bestimmten Epoche das Gepräge zu geben. Sie haben eine Verantwortung übernommen und haben über ihre Tätigkeit Rechenschaft vor dem Volke abzulegen. Die landeseigenen Betriebe müssen bessere Betriebe als alle anderen sein, und sie müssen, das ist das erste Ergebnis eines Betriebes, mehr produzieren als alle anderen Betriebe.
Die Aufgabe der Betriebsleiter der landeseigenen Betriebe ist, die demokratische Entwicklung ökonomisch zu sichern, und das Recht, sich Betriebsleiter zu nennen, haben sie erst dann, wenn sie von Erfolgen auf dem Gebiet der ihnen gestellten Aufgaben sprechen können.
Eine lebhafte Diskussion, in der alle Probleme der einzelnen Betriebe von den verantwortlichen Betriebsleitern behandelt wurden, folgte.
Wie aus den Ausführungen der Diskussionsredner hervorging, bestehen schon in vielen Betrieben den momentanen Lebensumständen entsprechend vorbildliche soziale Einrichtungen, wie Betriebsküchen, Kindergärten, Wäschereien, Schuhreparaturwerkstätten, Verkaufsstellen der Konsumvereine, Nähstuben und Bibliotheken. In einigen Betrieben ist auch bereits die Altersversorgung sowie die Geburts- und Sterbehilfe sichergestellt.
Herr S c h e n k von der Hauptverwaltung landeseigener Betriebe kündigte den Versammelten eine Verordnung an, die die Frage der alten Schulden, welche die ehemaligen Besitzer der jetzigen landeseigenen Betriebe zurückließen, generell und zufriedenstellend regeln wird.

Nach einem Schlußwort des 1. Vizepräsidenten des Landes Thüringen Busse und des Leiters der landeseigenen Betriebe wurde die Konferenz geschlossen.

Czikalla


Quelle:Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 259, Bl. 218r, 219r (ms. Ausfertigung).