Nr. 220
16. Oktober 1946

Aus dem Protokoll der Sitzung der Landesverwaltung: Übergabe von SAG-Betrieben, Lageberichte, Entschädigung für von der Besatzungsmacht beanspruchte Wiesen, Finanzierung der Mustersiedlung Großfurra, Mittel für die Windbruchaktion


N i e d e r s c h r i f t
über die Sitzung der zivilen Verwaltung des Landes Thüringenam 16. Oktober 1946

Anwesende:
Landespräsident Dr. P a u lVizepräsident B u s s eVizepräsident Dr. A p p e l lLandesdirektor B ö h m eLandesdirektor B i e d e r m a n nLandesdirektor Dr. D r e c h s l e rLandesdirektor F r o m m h o l dLandesdirektor K ü l zLandesdirektor M o o gLandesdirektor M ü l l e rLandesdirektor Dr. W o l f Oberlandrat Dr. W i e s e 1 Landesbankpräsident Dr. G a e r t n e rPräsident der Landesversicherungsanstalt L e t t a uMinisterialdirektor Dr. S c h u l t e sReferent Dr. S t a a r (L.A. f. Land-u.Forstwirtschaft)Referent K a n n g i e ß e r (L.A. f. Kommunalwesen).
Landespräsident Dr. Paul berichtet über die Übergabe von Unternehmungen an russische Generaldirektoren. Die Landesverwaltung habe es bisher abgelehnt, Betriebe im Namen des Landes zu übertragen, da sie sich nicht als legitimiert betrachte. Inzwischen sei jedoch ein neuer, diesmal eindeutiger Befehl der SMA eingetroffen. 2 Vizepräsident Busse berichtet, daß die Übergabe bis zum 16. Oktober 1946 erfolgt sein soll. Unrichtige Bewertungen seitens der Übernehmenden könnten in gesonderten Protokollen beanstandet werden. Im Prinzip sei die Wertberechnung vom Kontrollrat vorgeschrieben. Landespräsident Dr. Paul faßt zusammen, daß ein Befehl Recht schaffe und befragt die einzelnen Regierungsmitglieder, ob sie ebenfalls dieser Meinung wären, daß gegen diesen Befehl de facto nicht angegangen werden könne. Dies wird von den Herren bestätigt.

[…] 3

Kostenbewilligung für die von der Besatzungsmacht in Anspruch genommenen Wiesen .
Oberlandrat Dr. Wiese stellt den Antrag, den Besitzern von Wiesen, die von der Besatzungsmacht in Anspruch genommen seien, eine Entschädigung zu zahlen. Präsident Dr. Gaertner macht grundsätzliche Bedenken gegen eine Entschädigung von Besatzungskosten auf einem Teilgebiet geltend. Da Landesdirektor Moog darauf verweist, dass die entsprechenden Truppen nach Anweisung der SMA für die Mittel aufkommen sollen, wird angeregt, dass zunächst mit den vier Kreiskommandanten verhandelt werden soll. Unabhängig davon müsse selbstverständlich den betreffenden Bauern von der Umgebung durch Abgabe von Rauhfutter geholfen werden.
Finanzierung von Grossfurra.
Oberlandrat Dr. Wiese beziffert den ungedeckten Teil der Gesamtbaukosten von Grossfurra 4 auf RM 440.000. - . Die Musterhöfe seinen mit hohen Kosten erstellt worden. Es handele sich aber um eine erste Probe, für die die Mehrkosten vom Lande übernommen werden müssten. Es ergeht der einstimmige Beschluss, dass, soweit ungedeckte Mehrkosten für die Mustersiedlung Grossfurra vorhanden seien, diese von dem Landesbodenfonds zu übernehmen seien.
[…] 5

Mittelbewilligung für Windbruchaktion.
Oberlandrat Dr. Wiese berichtet, dass für die Auswertung des Holzes aus der Windbruchkatastrophe Kosten in Höhe von RM.5.193.000.- entstehen werden. Diese Kosten würden durch den Ertrag des Holzes in Höhe von RM 8.000.000.- später abgedeckt werden. Landespräsident Dr. Paul kritisierte, dass das Holz zu billig abgegeben werde. Die Bürgermeister sollen den Holzbestand der Bauern nachprüfen und sich dabei eines zusätzlich in das Gebiet gelegten Polizeiaufgebotes bedienen. Es darf auf keinem Fall Holz verschleudert werden. Die Mittelbereitstellung wird einstimmigt gebilligt .
[…] 6


Quelle:Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 459, Bl. 284r-291r (ms. Ausfertigung).

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