Nr. 200b
29./30. August 1946

Bericht der SED-Zeitung „Thüringer Volk“ über die Erfurter Rückgabe-Feier

Rückgabe sequestrierter Betriebe
Feier in Erfurt – Ansprache des Ersten Vizepräsidenten Ernst Busse
In einer eindrucksvollen Feier im festlich geschmückten Erfurter Reichshallen-Theater am 29. August wurden die bisher sequestrierten Betriebe der Kreise Eerfurt, Weimar, Gotha, Arnstadt und Apolda, soweit sie nur nominellen Pgs. gehörten, a n d i e a l t e n B e s i t z e r z u r ü c k g e g e b e n.

Präsidialdirektor S t a a s eröffnete den Kongreß mit dem Hinweis auf die aus der Zurückgabe erwachsende Verpflichtung zur tatkräftigen Mitarbeit für einen friedvollen demokratischen Wiederaufbau, dem sich Oberbürgermeister B o o c k, Erfurt, mit der Aufforderung zur Mithilfe an der Enttrümmerung unserer Städte anschloß.

Dann ergriff der 1. Vizepräsident des Landes Thüringen und Vorsitzende der Landeskommissionen zur Durchführung der Befehle 124/126 der SMA, B u s s e, das Wort. Er führte aus, wie wichtig es sei, alle Betriebe, die einmal für den Krieg produzierten, auf das genaueste zu überprüfen, dieselben, wenn sie in der bisherigen Form nicht mehr tragbar seien, in die Verwaltung des Landes zu geben, um eine wirkliche Friedensproduktion zu gewährleisten. Wenn die Alliierten auch nur ein Drittel ihrer durch das Naziregime zerstörten Werte zurückgefordert hätten, wäre die heutige Rückgabe unmöglich gewesen. Er rief die nominellen Pgs. auf, alles zu tun, um den friedvollen, demokratischen Aufbau zu ermöglichen.

Der L a n d e s v o r s i t z e n d e d e r S E D, W e r n e r E g g e r a th, zeigte in kurzen Worten, mit welch ungeheurem Maß an Arbeit alle Eingaben und Berichte geprüft wurden, um das endgültige Urteil so gerecht als möglich zu fällen. Dabei hätte es keinerlei Gefühl der Rache gegeben, allein der Wille, die Einheit Deutschlands zu schaffen und dafür die Kräfte einzusetzen, wären die Grundlage dieser Arbeit gewesen. Er forderte alle Anwesenden auf, sich des erwiesenen Vertrauens würdig zu erweisen durch unermüdliche Mitarbeit.

Ministerialdidrektor Staas schloß die Veranstaltung mit dem nochmaligen Hinweis, daß bereits 16 Monate nach Kriegsschluß Tausende von ehemaligen Pgs. ihr Eigentum zurückbekämen. Mögen sie es als Verpflichtung betrachten, tatkräftig mitzuhelfen an der Schaffung eines neuen demokratischen Deutschlands.

Im Anschluß an die Kundgebung wurden die D o k u m e n t e d e r R ü c k g a b e des sequestrierten Eigentums an die Anwesenden ausgegeben.


Quelle: Thüringer Volk, 30.8.1946.