Nr. 195b
Antrittsvorlesung beim Festakt


Meine Damen und Herren!

Sie sollen nicht im Zweifel gelassen werden, um was es sich in diesem Augenblick, da ich in diesem einfachen Raum 1 spreche, handelt:

Angesichts der Millionen von Toten, angesichts der Ruinen unserer Städte und Dörfer, kann es sich nur handeln um die energische Liquidierung eines Weges, der die Nation aus den Tagen Goethes, Schillers und Herders über so manche Kreuzwegsstation zu den Verbrennungsöfen Buchenwalds führte.

Hier in Weimar hat sich dieser Weg gleichnishaft verdichtet. – Und in dieser Hochschule, in diesem Raum, an dieser Stelle hat mancher von denen gestanden, die den Fortschritt repräsentierten, die der Reaktion erlagen, und mancher, der als Repräsentant dieser reaktionären Kräfte seine schauerliche Brandstifterarbeit leistete. Ich nenne die Namen von van de Velde 2 und Gropius 3 auf der einen Seite und die Namen von Schultze-Naumburg 4 und Giesler 5 als Beispiele auf der anderen Seite. Hier gibt es keine Versöhnung und keinen Kompromiß.

Angesichts dieser Stadt, angesichts dieses Namens „Weimar“ ist die Aufgabe klar – sie heißt Erneuerung der lebendigen humanistischen Tradition.

Doch was verstehen wir unter dem klassischen Humanismus Weimarer Prägung? Kein Zweifel – sein zentrales Problem ist der Mensch selbst, ist die Stellung des Menschen zu der ihn umgebenden Natur, die Sinngebung seines Daseins und seine Beziehung zur menschlichen Gesellschaft.

Und über die Antwort, die von den klassischen Humanisten darauf erteilt wird, besteht ebenfalls kein Zweifel oder sollte jedenfalls kein Zweifel bestehen.

Herder wie Goethe, wie Schiller betrachten das menschliche und das geschichtliche Werden als ein Entwicklung zu immer höheren Formen. Wobei Goethe diese Entwicklung dialektisch sieht – „Das Gleiche läßt uns in Ruhe“, so sagt er, „aber der Widerdpruch ist es, der uns produktiv macht.“ 6

Das Verhältnis des Menschen zur Natur – der Konflikt, der vor allem in der bürgerlich-kapitalistischen Welt so deutlich in Erscheinung tritt zwischen Natur und Mensch, wird von den Humanisten durch die Konfrontierung mit der Antike deutlich gemacht. Es ist dabei unerheblich, ob unser Bild vom Griechentum sich inzwischen änderte. Das Griechentum gilt als das Ideal eines Lebenszustandes, der sich in ungebrochener Einheit mit der Natur befindet, der mit den Naturkräften, durch Götter versinnbildlicht, in Harmonie lebt, der durch Überwindung der Dämonie Heiterkeit gewinnt. Nichts von Todessehnsucht, sondern Diesseitsfreude, nichts von Verschwommenheiten, sondern Klarheit.

Ein weiteres Axiom der Klassik ist die Überzeugung, daß jeder Mensch der Anlage und Bestimmung nach – ich folge hier den Worten Schillers – „einen idealistischen Menschen in sich trägt“. Und, daß es das Ziel unseres Wesens sei, nicht nur die Einhelligkeit aller Daseinsformen des Einzelmenschen mit diesem reinen Menschen zu erreichen, sondern, daß es auch möglich sein muß, die menschliche Gesellschaft zu einer ungebrochenen Gesamtheit zu vereinigen.

Der Widerspruch zum Nazismus ist evident. Später bilden sich aus jener Bewegung, die wir als „Romantik“ im engeren Sinne zu bezeichnen gewöhnt sind, Auffassungen heraus, die derKlassik entgegengesetzt sind. Wir kennen Goethes feindselige und erbitterte Abwehr.

Gegen die Präzision klassischer Herkunft, gegen die Vernunft wird von der späten Romantik gesetzt – die süße Zwielichtstimmung eines Lebensgefühls, das die Grenzen zwischen dem Hüben dieser Welt und dem Drüben der jenseitigen Erfüllung verwischt. Der Dualismus von Natur und Geist wird nicht auf der Ebene höherer Bewußtheit überwunden, sondern diese Überwindung vollzieht sich in den erhöhten Zuständen von Traum, Ekstase und Vision. Das romantische Leben in voller Todesimmanenz.

Wir kennen und lieben die romantische Welt. Namen wie Hölderlin und Kleist, Novalis und Eichendorff, Runge und Caspar David Friedrich umreißen sie. Neben der Innigkeit, als dem Ausdruck einer starken Gefühlsunmittelbarkeit, die Innerlichkeit als Flucht, als Abscheiden aus der umgebenden Welt, dieses Nichtertragenwollen aus Nichtertragenkönnen. Neben der Religiosität die mystische Todessehrnsucht. Neben der allumfassenden Menschheitsliebe Züge einere gewissen Bestialität. Neben dem echten Vaterlandsgefühl, neben dem historisch durchaus begründeten Bestreben, zur nationalen Einheit zu gelangen, Züge eines einengenden Nationalismus. Kurz, neben jeglicher Weite der gedanklichen Konstruktion steht sofort die spießbürgerlich-biedermeierliche Enge.

Diese Gegensätze zwischen dem klassischen Humanismus und der späten Romantik, aber auch diese Widersprüche in der Romantik selbst, sind nur gesellschaftlich zu erklären.

Zwei der bekanntesten, von der deutschen Intelligenz fast ungelesenen deutschen Philosophen und Sozialkritiker, Karl Marx und Friedrich Engels, sehen diese gesellschaftlichen Zustände folgendermaßen: „Überhaupt hatte seit der Reformation die deutsche Entwicklung einen ganz kleinbürgerlichen Charakter erhalten. Der alte Feudaladel war größtenteils in den Bauernkriegen vernichtet worden; was übrigblieb, waren entweder reichsunmittelbare Duodezfürsten […]oder kleinere Grundbesitzer, die teils ihr bißchen Vermögen an den kleinen Höfen durchbrachten und dann von kleinen Stellen in den kleinen Armeen und Regierungsbüros lebten – oder Krautjunker, die ein Leben führten, dessen sich der bescheidenste englische Squire oder französische gentilhomme de province geschämt hätte. Der Ackerbau wurde auf eine Weise betrieben, die weder Parzellierung noch große Kultur war […]. Die Bourgeoisie des kleinen Hollands mit ihren entwickelten Klasseninteressen war mächtiger als die viel zahlreicheren Bürger Deutschlands mit ihrer Interesselosigkeit und ihren zersplitterten kleinlichen Interessen. Der Zersplitterung der Interessen entsprachen die Zersplitterung der politischen Organisationen, die kleinen Fürstentümer und die freien Reichsstädte. Wo sollte politische Konzentration in einem Lande herkommen, dem alle ökonomischen Bedingungen derselben fehlten? Unter diesen allgemeinen Illusionen war es ganz in der Ordnung, daß die zur Illusion privilegierten Stände, die Ideologen, die Schulmeister, die Studenten, die Tugendbündler, das große Wort führten und der allgemeinen Phantasterei und der Interesselosigkeit einen analogen, überschwenglichen Ausdruck gaben.“ 7

Das ist, so meine ich, eine durchaus zutreffende und ungeschminkte Darstellung der gesellschaftlichen Zustände dieser Zeit. Von ihnen aus gesehen, können wir den Ausgangspunkt unserer weimarischen Schicksalswege begreifen.

Goethe und Schiller begannen als Empörer. Goethe kam nach Weimar mit bestimmten Reformideen. Als Goethe jedoch in seiner praktisch unmittelbaren Wirkung auf die menschliche Gesellschaft scheiterte, legte er seine sämtlichen Ministerämter nieder und ging nach Italien. „Ich habe Weizen unter das Kommisbrot gebacken“, so sagte er einmal; an Frau von Stein schreibt er, daß „er nur einen Garten begossen habe, aber einem ganzen Lande keinen Regen hätte geben können“. 8 Er kehrte zurück – jedoch ein anderer als er gekommen war.

Inzwischen hatte die fortschreitende Industrialisierung die deutschen Lokalinteressen doch zu einer gewissen Gemeinsamkeit gebracht, die deutschen Bürger verlangten gewisse Rechte. Es entstand aber auch mit der fortschreitenden Industrialisierung das moderne Industrieproletariat. Das „Manifest der Kommunistischen Partei“ erschien. Auf der anderen Seite entwickelte sich die Großbourgeoisie. Die Reaktion hielt mit eiserner Faust das Steuer. Immerhin wirkte das humanistische Erbe so stark, daß in Weimar eine begrenzt liberalere Luft wehte als an vielen deutschen Residenzen. Männer wie Hebbel, Freiligrath, Hoffmann von Fallersleben, Gutzkow standen mit dem Herzog Karl Alexandeer in Verbindung und mit seiner Mutter Maria Pawlowna, einer Prinzessin russischer Herkunft. In Weimar und Jena fand mancher Zuflucht, der in anderen Ländern gemaßregelt wurde.

Jena wurde zu einer Stätte der neuen naturwissenschaftlichen Anschauungen. Unter den Augen der Großherzogin Maria Pawlowna stellte Ehrenberg, der Freund Humboldts, die Welt Darwins zum ersten Male der Öffentlichkeit vor und prägte seinen berühmten Satz „Am Anfang schuf Gott die Infusionstierchen.“

Seit 1856 lehrte Kuno Fischer in Jena, der in Heidelberg amtsenthoben war.

Um diese Zeit, im Jahre 1860, gründete Karl Alexander die Kunstschule in Weimar.

Vorher hatte bereits die Zeichenschule bestanden, von Bertuch im Einvernehmen mit Goethe 1781 gegründet und von Karl August unterstützt. Dieses Institut öffnete, wie es hieß, den „Begabten aller Stände“ seine Tore. Hier saßen der Minister Goethe und Frau von Stein, Corona Schröter und die Angehörigen des Adels mit den Söhnen und Töchtern der Bürger beieinander und zeichneten. Der Besuch war kostenlos. Goethe, selbst ein Lernender, übernahm ein Wintersemester lang als Lehrender den Unterricht in der Anatomie.

Die spätere Gründung der Kunstschule war, so lebendig wirkte dieser Geist nach, durchaus von dieser Tradition erfüllt. Offenen Auges für die fortschreitende Entwicklung wurde hier eine Stätte der neuen Landschaftsmalerei eröffnet. Es sind die modernsten Künstler, die sich in Weimar vereinigen unter Kalckreuth, Lenbach, Böcklin und Begas. Später sind es Hagen und Brendel und schließlich Buchholz und Rohlfs, die hier lehren. Eine ganze Reihe bekannter Namen schließt sich an: Olde, Sascha Schneider, Ludwig von Hofmann, Mackensen, Liebermann sind unter den Schülern.

Auch am Theater, in der Musik sammeln sich hier die hervorragendsten Begabungen: Liszt und Joachim, Eugen D’Albert, Richard Strauss und Wagner, der aus Dresden fliehen mußte, da er dort an den Barrikaden-Kämpfen teilgenommen hatte und hier zunächst Exil fand. Inzwischen war die industrielle Revolution auch in den Bereich der Kunst eingebrochen: Die Rotationswalze in die Literatur, das Foto in die Malerei, die ersten Filme entstanden, das Grammophon kündigte den Einbruch in die Musik an und so fort. In der bildenden Kunst entstand der Impressionismus als erste Gegenbewegung zu dem flachen Naturalismus der zweiten Jahrhunderthälfte. Der Mensch sank durch die kapitalistische Produktionsweise immer mehr zum Objekt kommerzieller Berechnungen herab. Menschlichkeit wurde zu einer Vokabel weichlicher Dekadenz erklärt. Inzwischen wurden Humanisten zu einem Objekt der Philologen. Es entstand ein Chor widerstreitendster Stimmen von Gerhard Hauptmann bis Stefan George. Und hier in Weimar – diesem Gleichnis des deutschen Geistes – lebte einer dieser Rauner und Magier – Nietzsche. Er hatte das herbe Wort gesprochen: „Goethe – kein deutsches Ereignis, sondern ein europäisches – ist in der Geschichte der Deutschen ein Zwischenfall ohne Folgen.“ 9

Immerhin in der bildenden Kunst schuf der Impressionismus gewaltige Impulse. In dieser künstlerischn Welt waren als unveräußerliche Bestandteile des humanistischen Denkens geblieben die Grundprinzipien der Einheit allen Geschehens und des Werdens, in der dialektischen Wechselwirkung des Bestehenden.

Um 1890 wurde eine ständige Kunstausstellung, die „Permanente“, in Weimar errichtet, und hier wurden zum ersten Male französische Impressionisten gezeigt, zum Beispiel Manet, Monet, Degas.

Schließlich rief 1902 der neue Großherzog, der Tradition seiner Familie folgend, einen Neuerer nach Weimar, den Belgier van de Velde. Er sollte die neugegründete Kunstgewerbeschule leiten, während in der eigentlichen Kunstschule, die von van de Velde neu erbaut wurde, Mackensen, Sascha Schneider, Ludwig von Hofmann und Christian Rohlfs wirkten.

Van de Velde war ein Organisator ersten Ranges, ein orginaler Kopf, ein Neubeleber.

Die industrielle Produktion erzwang andere Formen. Das Handwerk mußte sich dem neuen Produktionsprozeß angleichen, das Proletariat benötigte, damit die Löhne niedrig bleiben konnten, billige Massenartikel.

Van de Velde hatte durch Vorträge und Schriften den Kitsch als Kitsch entlarvt.

Er belebte mächtig das gestaltende Handwerk: die Bürgeler Töpfereien, die Korbflechtereien von Tannroda, die Elfenbeinschnitzer von Ruhla, die Schnitzerwerkstätten in Empfertshausen und Kaltennordheim in der Rhön.

Durch die Anwendung neuer Baustoffe entstanden neue Formen. Diese Baustoffe wurden nun im Guß, im flüssigen Verfahren gewonnen – Beton und Eisen und ebenso das Glas -, während die vergangenen Epochen Block auf Block, Stein auf Stein gefügt hatten. Es entstanden also ganz neue Stütz- und Lastverhältnisse und damit neue statische Bedingungen und Möglichkeiten. Diese neuen Produktionsmethoden verlangten neue Produktionsverhältnisse. Ein neues Lebensgefühl entstand. Das alles waren die Akkumulatoren, aus denen die neue Architekturbewegung gespeist wurde. Doch noch fehlte die zusammenfassende Schau. Man versuchte durch Reformen die Formen zu ändern. Der Impressionismus hatte aus der Darstellung des Flüchtigen, des Bewegten, die sehr subjektive Schau nicht vermeiden kkönnen. Der Mensch wurde in vielen Fällen artistischer Gegenstand. Mit Vincent van Gogh setzte wiederum die Sehnsucht nach Aufhebung der artistischen Distanz ein. Die fanatische Menschenliebe, die er in sein Werk schleuderte, war kennzeichnend für diese Epoche, über die sich immer mehr (weniger bewußt als ahnungsvoll) die Erkenntnis legte, daß der Künstler die Welt vor allem zu ändern habe – wenn die Katastrophe, in welche die bürgrliche Welt trieb, verhindert werden sollte.

Ein gewisse messianische Tendenz war unleugbar diesen Künstlern zu eigen. Aber dieser Versuch, die Welt zu ändern, wurde mehr ahnungsvoll als bewußt unternommen. Als Versuch zur Heilung jenes geistigen Negativkomplexes, den wir als Dekadenz bezeichneten. Da die Dekadenz und die bourgeoise Denkweise sehr eng zusammenhingen, war diesen Künstlern eine antibourgeoise Tendenz durchaus zu eigen. Aber der Küntler hatte sich doch zu sehr aus dem allgemeinen Leben herausgelöst, als daß er vermocht hätte, seine Empfindungen klar zu formulieren und sie in die allgemeine Entwicklung aktiv einzubeziehen. Es entstand das Gefühl einer gewissen Mitschuld an dem Zerfall der Welt oder der Wunsch nach Aktivierung des Daseins. Ja, man wußte sogar von der Notwendigkeit einer Revolutionierung des Daseins – Franz Marc formulierte als das Ziel der modernen Kunst, durch ihre Arbeit der Zeit Symbole zu schaffen, die auf die Altäre der kommenden geistigen Revolution gehören. Aber man sprach eben von einer „geistigen Revolution“. In völliger Verkennnung der gesellschaftlichen Zusammenhänge löste man das geistige vom materiellen Leben.

Diese Unklarheit des Bewußtseins erinnert an die buddhistische Legende vom dahinstürmenden Kriegselefanten, den der Erleuchtete durch die Strahlen der Liebe zur Umkehr zwingt. Nun der imperialistische Kriegselefant dachte nicht an Umkehr. So sehen viele dieser Künstler schließlich das Heil in der Rückkehr in die Anfänglichkeit der menschlichen Zustände. Da alte Konzept Rouseauscher Prägung. Und insofern begab man sich in die für die Kunst gefährliche Nähe im Grund ungefährlicher Lebenserneuerung aller Art, wie sie sich etwa in den „Blättern zur Pflege persönlichen Lebens“ aussprachen. Die Ateliers mancher Künstler ähnelten afrikanischen Negerzelten oder asiatischen Höhlenwohnungen. Immerhin lag die geistige Wurzel dieser Bestrebungen in der Sehnsucht nach der Identität mit der umgebenden Natur. Insofern traf dieses Einheitsstreben mit dem „Natureinssein“ der Naturvölker zusammen. Die Suche nach gültigen Symbolen, nach Gattungsnormen war deshalb im Prinzip ganz richtig. Doch durch den Mangel an Bewußtsein erhielt diese Bewegung politisch gesehen etwas Anarchisches. Der Wille zur Radikalkur einer „Gesundung“ trieb krankhafte Blüten wie etwa den Vers Stefan Georges:

„Zu spät für Stillstand und Arznei

Zehntausend muß der heilige Wahnsinn schlagen

Zehntausend muß die heilige Seuche raffen

Zehntausende der heilige Krieg.“

So landete man in einer antihumanistischen, antidemokratischen Auffassung. Es ist jedenfalls festzustellen, daß dieses Unvermögen der Einbindung in die allgemeine Entwicklung schließlich zum Rückzug auf Form-Probleme führte. Ein Erfassen der wirklichen gesellschaftlichen Triebkräfte war ihnen nicht möglich.

Die progressiv-humanistische Bewegung aus radikaler Sicht wurde besonders in Deutschland vorgetragen, zum Beispiel von den Malern der „Brücke“ Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, um nur einige zu nennen. Es ist wohl überflüssig zu bemerken, daß diese Künstler Werke schufen, die nicht nur unvergängliches Traditionsgut bergen, sondern der deutschen Kunst durch ihre aufrüttelnde Unbedingtheit Weltbedeutung gewannen.

Eines Tages besuchte Jaurès, der französische Sozialist, dem Clemenceau vorwarf, daß er zu ´viel vom Futurum in seinen Reden hätte, den Architekten van de Velde in Weimar. Wenige Monate später war dieser Jaurès ermordet. Der erste Weltkrieg begann.

Van de Velde, der Ausländer, verließ Weimar, von den Haßgesängen der Reaktion begleitet. Die Stimme Goethes, die Stimme der reinen Humanität, war verstummt. Wie hatte doch der einundachtzigjährige Goethe gesagt: „Überhaupt ist es mit dem Nationalhaß ein eigenes Ding. – Auf den untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn immer am stärksten und heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht und man ein Glück oder ein Wehe seines Nachbarvolkes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet. Diese Kulturstufe war meiner Natur gemäß[…]“ 10

Während des Krieges hatte der letzte Großherzog mit dem Architekten Gropius verhandelt. Er sollte der Nachfolger von van de Velde in der Kunstgewerbeschule sein.

Mit dem Ende des Krieges trat Gropius sein Amt an. Als ein vom Zusammenbruch Bewegter, der nun selbst bewegen wollte. Er entwickelte sein Programm. Es hat ebenfalls etwas Messianisches, Heilsbringerisches. Es trägt etwas vom Geist des Expressionismus in sich. Es spricht vom Weltgefühl einer Zeit, das sich in den Bauwerken kristallisiert, von der metaphysischen Kraft, die der Mensch aus dem All saugt. Später sprach man sogar von den „Kathedralen des Sozialismus“, die zu errichten wären. 11 Zwei Dinge sind festzustellen:

1. Seine Analyse des vorhandenen Zustandes ist zwar ungenau, aber seine Schlußfolgerungen, die Denkergebnisse sind präzise und treffen das, was hätte getan werden müssen.

2. Seine Gedankengänge sind durchaus humanistisch. Sie bewegen sich im Geiste der lebendigen weimarischen Tradition.

Humanistisch ist sein Bestreben, jeglichen Dualismus zu überwinden, vom Einzelmenschen zur Gesellschaft, von Geist und Natur. Humanistisch ist ein Bildungsideal, allen Schichten des Volkes Kunst zuzuführen. Und humanistisch ist auch sein Bestreben, das Einheitskunstwerk im Bau zu schaffen, als einer innigen Verbindung von Architektur, Malerei und Plastik. Ein Ziel, das übrigens auch van de Velde anstrebte. Er holte sich die interessantesten und unterschiedlichsten Mitarbeiter zusammen – keine Zonenabsperrung 12 hinderte ihn daran, eine Fülle von Begabungen stand bereit, denn der revolutionäre Schwung von 1918 hatte allerlei Begabungen frei gemacht. Er holte sich Schlemmer, Klee und Marcks, um nur einige zu nnnen. Aber er holte sich auch den Russen Kandinsky, den in Amerika geborenen Feininger, den Schweizer Itten und den Ungarn Moholy-Nagy. Sie alle kanmen, und es begann so etwas wie europäische Luft in der schöpferischen Auseinandersetzung zu wehen.

Ein präzises Ausbildungssystem war aufgebaut, eine Wechselbeziehung von Werkstattausbildung und Ateliertätigkeit, ausgehend von der Tatsache, daß die alte Akademie überholt ist. Eine Tatsache, die nicht abzustreiten ist und auch 1919 nicht abzustreiten war.

Doch man hatte die Reaktion unterschätzt.

Der Brauch der Stadtverwaltung, jedes Jahr an der Kunstschule einige Bilder zu kaufen, sollte auf Vorschlag des Leiters des „Bauhauses“, wie das neue Institut nun hieß, nicht wieder aufgenommen werden, statt dessen wurde um die Veranstaltung eines Wettbewerbes gebeten, der zum Thema die Ausmalung des Rathauses haben sollte, um auf diese Weise die Kunst öffentlich wirksam zu machen. Die Ausmalung des Rathauses durch Künstler des Bauhauses – das war etwas Unerhörtes. Die „Freie Vereinigung für städtische Interessen“ berief eine Bürgerversammlung ein. Ein „Künstler“ hielt eine Rede. 13 Zur Entlarvung der Herkunft dieser Kräfte nur einige Sätze aus ihr.

„Wirkliche Kunst bleibt Kunst, die ist an keine Zeit, an keine Richtung gebunden. Alle Formbildungen eines Künstlers sind weiter nichts als die Äußerungen einer geheinmnisvollen Urform in seinem Innern […] Es bleibt auch ganz gleich, welchen Namen sie führt […] Nur ein ganzer Kerl soll dahinter stehen, ein Kerl von Stahl und Eisen[…] Nur der ist berufen zu führen. Aber unsere Zeit – die sogenannte Zeit der Freiheit […] – kann sie überhaupt erziehen? […] Unsere Zeit kennt keine Deutschen mehr und viel weniger noch eine deutsche Kunst […] Deutsche! Seit der Gotik siechen wir dahin […] Die Todeshand ist nicht weit von Dir, Deutsches Volk, aber du erwachst erst, wenn das Messer Dir an die Kehle gelegt wird.“ 14 Das ist der ganze Faschismus, bereits 1919 in einem Sacke. Wie sagte doch Goethe: „Die Woge schwillt, die im verworrnen Streben / Sich ungewiß nach allen Seiten trägt.“ 15

Worin lag nun der spezielle Grund für die offenbar Niederlage des Bauhauses, das nach der vielumstrittenen Tätigkeit weniger Jahre Weimar verlassen mußte?

Auch Gropius, hochbegabt, weit über dem Durchschnitt stehend, schleppte das furchtbare Erbe der deutschen Intelligenz mit sich. Er hatte ganz richtig erkannt, daß in der Baukunst der individuelle Schaffensprozeß durch die gesellschaftliche Produktion abgelöst wird für die Gesellschaft als Verbraucher. Doch er erkannte nicht genügend, daß das Bündnis zwischen Arbeiterschaft und Intelligenz als Plattform seines Wirkens die Voraussetzung wäre. Und damit engte er auch seine Aufgabenstellung ein. Er vermochte nicht jene Bevölkerungsschichten, deren Kampf er eigentlich kämpfte, für sich zu interessieren, und die politisch zersplitterte Arbeiterbewegung war selbst nicht in der Lage, ein solches Bündnis produktiv zu gestalten. So wählte er als Beispiel für das neue Bauen anläßlich der großen Bauausstellung ein Haus, gebaut für einen sehr wohlhabenden Menschen. Für ihn standen, rückschauend betrachte, wohl doch zuerst die Formprobleme im Vordergrund. Aber die Gesellschaft kann nicht mit flachen Dächern verändert werden. So wurde in der Folge die späte Bourgeoisie der reale Auftraggeber für diese junge Archtekturbewegung.

Unterdessen wurde die Wohnungsnot immer drohender, das Elend immer größer – die Architekten stritten sich um Steildach oder Flachdach.

Was geschah nun unterdessen mit der bildenden Kunst?

Mit dem Ende der Revolution um 1918 endete auch der eigentliche Expressionismus im engeren Sinne. Der Künstler trieb wiederum in einen gewissen Subjektivismus hinein und wurde gesellschaftlich nicht wirksam.

Um unsere Stellungnahme präziser zu machen, ist bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß natürlich der Raum für die experimentelle Malerei, für die Phantasie, für die geträumte Vision oder wie man es nennen will, vorhanden sein soll und auch da sein muß. Worauf es ankommt, das ist die klare und stabile Bewußtseinsebene, auf der sich diese Elemente der künstlerischen Gestaltung entfalten sollen, auf die Anteilnahme der Künstler an der allgemeinen Entwicklung der Menschheit.

Der nun unter anderem nachfolgende Verismus, magischer Realismus oder wie man ihn nennen will, in dem sich eine große Anzahl von Künstlern aussprach, setzte als Gegenschlag gegen die undeutliche Thematik, auch gegen den Expressionismus ein. Der Arbeitsprozeß des Künstlers war bisher gewissermaßen sichtbar gemacht worden, in seinen Nerven bloßgelegt – jetzt wurde er ausgetilgt. Man zwang sich zu eiserner Objektivität, man holte die Ratio als Gestaltungsmittel in die Kunst ein. Und dagegen wäre gewiss nichts einzuwenden. Doch rückblickend kann man sagen, daß man nun, nachdem man früher die Tugend süßlich malte, genau den entgegengesetzten Weg beschritt. Nämlich den zur betont negativen Tendenz. Jedenfalls hat der sogenannte Verismus durch das Abgleiten in das dem Bewegungsprinzip der modernen Kunst entgegengesetzte starr Abbildhafte, durch die immer stärkere Abkehr von der oppositionellen Aktivität im Grunde auch von hier aus den Boden vorbereitet für die Peiner, Ziegler und ähnliche Zeitgenossen.

Dann ging Gropius 1925. Es wurde still in Weimar. Georg Kaiser hatte hier noch gelebt, aber die wichtigen Ereignisse spielen sich in anderen Zentren ab. 1926 kam noch einmal der ausgezeichnete Architekt Barning für kurze Zeit nach Weimar als Direktor der Hochschule.

Um 1930 kam der Faschismus in Thüringen zur Macht, und damit beginnt die letzte Wegstrecke. Sie kennen die jüngste Geschichte. Dieser Hochschule setzten die Nazis Schultze-Naumburg vor. Er kam aus der Bewegung für Heimatschutz und Denkmalpflege. Er arbeitete mit dunklen Vokabeln wie Heimat, nordische Kultur und Rasse. Schultze-Naumburg brachte das uralte Konzept aller Reaktionäre, durch das Wiederholen alter Stilformen auch den Inhalt in ein anderes Jahrhundert retten zu können.

Auch in der bildenden Kunst war die große Zeit zu Ende. Flachester Akademismus, provinzielle Enge, idealisierende Oberflächenschau beherrschten die Szene.

In Weimar sah man dann und wann ausgemergelte Menschen, Gefangene. Man flüsterte, man raunte von Buchenwald. Ja, einige wollten sogar gesehen haben, wie diese Menschen sterbend zusammenbrachen. Eine drohende Wolke kroch langsam von diesem Berge bei Weimar auf die Stadt der Künste zu.

Meine Damen und Herren, das ist der Zirkelschlag des deutschen Schicksals. Ich habe als die hauptsächlichsten Sätze des Humanismus bezeichnet:

1. Die Überzeugung von der fortschreitenden Entwicklung zu höheren Daseinsformen;

2. die Verbindung mit der Natur durch Vernunft, durch ein entwickeltes Bewußtsein;

3. das Ideal vom Menschen, als einem Lebewesen, das sich zu sich und zu seinen Mitmenschen in harmonischer Beziehung befindet.

Was bedeutet das praktisch für uns als Architekten, als bildende Künstler?

Wenn wir die fortschreitende Entwicklung anerkennen, haben wir uns diesem Entwicklungsgedanken gemäß zu verhalten – das heißt, wir haben diese Entwicklung, wie sie bisher vor sich gegangen ist, zu analysieren, ihre Gesetzmäßigkeiten, ihre Dialektik zu entdecken und planend die weitere Entwicklung vorzuarbeiten. Wir haben weiterhin anzuerkennen, daß der Mensch in der Lage ist, die Natur durch Vernunft in Einklang mit sich zu bringen. Das heißt, wir haben keine Scheu davor, uns wissenschaftlich zu verhalten, die Wissenschaft, die Technik zu verwenden, um sie in den Dienst der Menschen zu stellen.

Um das noch konkreter zu bezeichnn, sei dazu einiges ausgeführt. Einer Entwicklung vorarbeiten, vom Menschen her planen, wie es auch der Minister forderte, 16 bedeutet zunächst, die gegenwärtige Situation klar zu übersehen.

Vom Menscher her planen heißt – Hilfe leisten, heißt, sich für die allgemeine Not verantwortlich machen. Ich habe in den letzten Wochen einiges Zahlenmaterial aus dem ganzen Reichsgebiet mir zugänglich gemacht. Ich werde Ihnen davon nur einige Zahlen bekanntgeben, um das Bild so realistisch wie nur möglich darzustellen. Von 624 000 Umsiedlern oder auch Neubürgern, wie sie genannt werden, 17 sind 444 000 über 14 Jahre alt. Von diesen 444 000 Menschen sind 148 000 Männer und 269 000 Frauen. Das heißt, genau die Hälfte der Frauen hat den Mann verloren oder wird nie geheiratet, vorausgesetzt, daß jeder Mann heiratet. Über 20 000 Familien sind ohne Vater. Das sind die Ergebnisse des „heiligen Wahnsinns“. 18

Vom Menschen her planen, methodisch planen heißt, eine klare Vorstellung von der Veränderung dieses Lebens zu schaffen.

Es bedeutet, dafür zu sorgen, daß diese Frauen arbeiten können und ihre Kinder behütet wissen und auch versorgt, wenn sie nach Hause kommen.

Vom Menschen her planen heißt, schnell helfen und Wohnraum schaffen, Produktionsstätten errichten, Gemeinschaften neu entwickeln, heißt, alle Bestrebungen wie die Schulreform, die Bodenreform planend zu unterstützen. Da sind Schulen auf dem Lande zu bauen, Dörfer und Städte aufzubauen. Methodisch planen heißt, diesen Strukturwechsel zu erfassen und abzugrenzen. Es heißt, darüber klar zu sein, daß wir gegenwärtig mit besonderer Aktivität, mit besonderer Konzentration die Not des Augenblicks durch Findigkeit überwinden müssen, darüber klar zu sein, daß wir Wege finden müssen, in naher Zukunft Häuser industriell zu produzieren. Daß wir Architekten truppweise zu arbeiten haben, um Typen zu entwickeln, die in sich variabel die verschiedenen Ansprüche, aber auch die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten in sich bergen. Sich der modernen wissenschaftlichen und konstruktiven Methoden bedienen heißt, nicht davor zurückschrecken, äußerste Konsequenzen zu ziehen.

Jetzt heißt es kühn sein, diesseitsfreudig und entwicklungsbejahend – und jenen positiven Realismus haben, ohne den keine richtige Hilfe zu leisten ist. Keine Baracken, keine Provisorien, die doch für die nächsten Jahrzehnte bestehen bleiben, keine Träume von Einfamilienhäusern, die lange unerfüllbar bleiben müssen. Überhaupt keine Illusionen, denn jetzt ist die Stunde da, wo der deutsche Künstler und der deutsche Wissenschaftler dem Volke seine Notwendigkeit beweisen muß. Jetzt kann die Kluft geschlossen werden, das Bündnis zustande kommen zwischen der werktätigen Bevölkerung und der fortschrittlichen Intelligenz. Wir haben, um unsere Lehrtätigkeit vorzubereiten, in intensiver Arbeit weniger Monate eine Plattform geschaffen, von der aus wir glauben arbeiten zu können. In Arbeitsgemeinschaften, die sich aus kleinen Kadern von Dozenten und Studenten zusamensetzen, wurden gewisse Arbeitsergebnisse erzielt, die vom Lehmbau bis zu den Dorfanlagen Auskunft geben. Wir haben Veröffentlichungen in Vorbereitung, die über den Städtebau, den Bau von Neubürgerhäusern die ersten Untersuchungen bringen. Noch keine Manifeste irgendeiner neuen architektonischen Richtung stellen sie dar. Aber vielleicht bergen sieAnsätze zu einem neuen Leben, zu einem neuen Lebensgefühl, aus ihm werden dann vielleicht eines Tages die „Kathedralen des Sozialismus“ erwachsen. Das ist unser Glaube.

Und die bildende Kunst?

Auch wir erstreben das „Einheitskunstwerk“. Doch wir lassen es wachsen, wir verlangen um derjenigen Menschen, die hier studieren werden, daß ihre Kunst öffentlich wirksam werde. Wir scheuen uns nicht, den Oberbürgermeister eines Tages zu bitten, sein Rathaus ausmalen zu dürfen. Wir haben keine Angst vor der Reaktion mehr, denn das Bündnis zwischen Arbeiterklasse, Bauern und Intelligenz haben wir geschlossen.

Wir bauen in verschiedenen Dörfern für die Bauern. Arbeiter haben in freiwilliger Sonntagsarbeit unsere Mappn drucken helfen. Und schließlich: Die Hälfte unserer Studierenden kommt aus der Arbeiterklasse.

Hier wird, so hoffen wir, eines Tages der Künstler wieder erstehen, der eins ist mit seinem Volk, von ihm verstanden wird. Das ist ein schwerer Weg.

Jetzt sind dem erschöpften Volke, der tastenden Jugend keine Klagen, keine Formauseinandersetzungen mehr anzubieten. Der Künstler spreche in der Sprache, die er sprechen will – aber er mache sich verständlich dadurch, daß er das Volk seine Zeichen lesen lehrt.

Es ist Sache des fortschrittlichen und entwickelten Teiles der Werktätigen, diese Zeichen lesen zu lernen. Diese Anstrengung muß geleistet werden.

Dazu zum Schluß noch ein Wort – ein offenes Wort. Ich weiß sehr wohl, daß der deutsche Künstler Angst vor diesem Begriff „Realismus“ hat, daß er insbesondere fürchtet, ein neues außerkünstlerisches Programm diktiert zu bekommen. Und wir wollen es deutlich sagen – es gibt eine ganze Anzahl von Künstlern, die dieses Diktat von der sowjetischen Verwaltung erwarten.

Die sowjetische Verwaltung wird im allgemeinen von Marxisten ausgeübt. Der Marxist weiß ganz genau, daß die Kunst aus der gesellschaftlichen Situation einer ganzen Zeit erwächst. Es wäre unmarxistisch, durch Anordnungen, Diktate einem Volke eine Kunstrichtung aufzwingen zu wollen. Realismus ist eine Haltung, kein Stil. Goethe war ein großer Realist, Fontane war es, die Kollwitz und Barlach waren es. Sie alle sind keine Naturalisten.

Die Begegnung mit dem russischen Volke und mit den Angehörigen anderer Völker der Sowjetunion, die sich durch die Besatzung vollzieht, ist ein europäisches Ereignis von folgenschwerer Bedeutung. Es geht darum, unsere nationalen Minderwertigkeitsgefühle zu verlieren. Wir haben im kulturellen Bereich eine Menge in die Waagschale zu werfen, das den sowjetischen Völkern nützen wird. Sie haben bereits einmal sehr viel besser als wir von unseren Philosophen gelernt. Aber auch wir haben zum Beispiel vom russischen Volk Bedeutendes zu lernen. Wir werden uns diesem Erlebnis öffnen ohne Angst davor, unsere nationalen Eigenarten zu verlieren. Denn, was über den Haßgesängen, den Warnungen einer reaktionären Bourgeoisie immer vergessen wurde, ja was vielleicht noch neuartig klingen mag in manchen Ohren: der Kommunismus bedeutet Forschritt und Humanismus.

Das sind unsere Aufgaben, so wie wir sie sehen – vom heutigen Tage ab treten wir zu ihrer Lösung an.


Quelle: Henselmann: Gedanken (1978/D), S. 54-62 (Abdruck).

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