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26. August 1946

Das „Thüringer Volk“ über die Wahlkundgebung in Nordhausen


Landespräsident zur Nordhäuser Bevölkerung
Wahlkundgebung in der zerstörtesten Stadt Thüringens
In Fortsetzung der Wahlpropaganda der SED sprach der Landespräsident Prof. Dr. Paul 1 zu 2000 Frauen und Männern aller Kreise in Nordhausen.

„Gerade das Beispiel von Nordhausen, der zerstörtesten Stadt Thüringens, spricht eine beredte Sprache“ – führte der Landespräsident aus. „Wer beim Anblick dieser Not und Trümmer noch beiseite stehe und dem Aufbau fernbleibe, sei in seinen Augen ein verkappter Nazist.“ Mit besonderem Dank wurden die Worte, die der Landespräsident an die Bevölkerung Nordhausens richtete, aufgenommen.

„Wenn ich auch über ein Jahr nicht in Ihrer Stadt war, so ist das nicht gleichbedeutend, daß ich Sie vergessen hätte. Gerade Nordhausen ist mir ans Herz gewachsen, und ich werde alles tun, um jede erforderliche Hilfe dieser Stadt zuteilwerden zu lassen.“

Oberbürgermeister Himmler hatte bereits vor der Versammlung dem Landespräsidenten von den Schwierigkeiten der Kartoffelversorgung berichtet, die im Augenblick die Bevölkerung arg bedrücken. Landespräsident Prof. Dr. Paul sagte auch in dieser Beziehung umgehende Hilfe zu, und bereits in den Abendstunden des darauffolgenden Tages konnten 250 000 kg Frühkartoffeln zur Verteilung kommen, die auf Veranlassung des Landespräsidenten aus den Nachbarkreisen noch während der Nacht herangeschafft wurden.

Die Nordhäuser Bevölkerung hat diese Tat dankbar entgegengenommen und hat daran die feste Hoffnung geknüpft, daß durch die Tatkraft des Landespräsidenten ihr auch weitere Hilfe zuteil wird.


Quelle: Thüringer Volk, 26.8.1946, Ausg. Nordhausen; Zeitungsausschnitt in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 271/31.

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