Nr. 192a
o. D. 1

„Warum SED?“
Eine Argumentation, die SED zu wählen


Warum S E D ?
Von Ministerialdirektor Dr. Karl Schultes. 2

Vor allem aus drei Gründen:
Erstensbesitzt nur diese Partei die richtige Erkenntnis vom Wesen des Faschismus und von den Voraussetzungen seiner endgültigen Liquidierung.Der Faschismus war nicht nur das Ergebnis militaristischer und völkisch-nationalistischer Ideologie, Entartung und Willkür, nicht nur das Ergebnis der Rechtlosigkeit und Sittenlosigkeit. Das waren nur seine äußeren Merkmale. Der Faschismus ist vielmehr der Ausdruck einer bestimmten Stufe der ökonomisch-gesellschaftlichen Entwicklung des Kapitalismus, aus welcher sich die kriegerische, diktatorisch-imperialistische Wendung der deutschen Politik zwangsläufig ergibt.Mussolini und Hitler waren die Marionetten des kapitalistischen Imperialismus. Barbarei, Gewaltsamkeit und Willkür sind die Mittel, deren sich die Handlanger der kapitalistischen Expansion bedienten.Diese Erkenntnis besitzt nur die SED, während die Kritik der LDP und CDU an den äußeren Merkmalen des Faschismus haften bleibt und überhaupt nicht seinen Kern berührt.Zweitens:Nur die SED zieht aus dieser Erkenntnis d i e r i c h t i g e n K o n s e q u e n z e n .Die LDP ruft nach dem liberalen und formalen Rechtsstaat, sie fordert Freiheit des einzelnen, Sicherung seiner politischen Rechte und des Privateigentums. Sie hat also aus der Vergangenheit nichts gelernt und die Ursachen des Zusammenbruchs der Weimarer Republik nicht erkannt. Sie befindet sich im Stadium der Jahre 1789, 1848 und allenfalls 1918. Sie unterscheidet nicht zwischen dem privaten Eigentum an Wohnhaus und Gartengrundstück (zu dem sich auch jeder Sozialist und die Sowjetverfassung ausdrücklich bekennen) und an dem Privateigentum an den Produktionsmitteln, auf dem die Anarchie der kapitalistischen Wirtschaft und Gesellschaft und ihre imperialistische Tendenz beruht.Die CDU scheint da schon etwas weiter zu sein als die LDP, denn sie fordert wenigstens den „christlichen Sozialismus“, wenngleich es sich hierbei nur um einen religiösen, idealistischen oder utopischen Sozialismus handelt, welcher durch den wissenschaftlichen Sozialismus (Marxismus) bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts überwunden ist. Es handelt sich heute weder um eine bloß politische, formale Demokratie oder liberal-formale Rechtsstaatlichkeit, noch um die Verkündung eines christlich-utopischen Sozialismus, sondern um die ganz reale und materielle Sicherung der Demokratie und des Rechts der werktätigen Masse. Deshalb hat die SED die Bodenreform, die Enteignung nazistischer und militaristischer Betriebe und Vermögen, die Zerschlagung der Konzerne und Trusts, die Verstaatlichung des Versicherungs- und Bankwesens, den Ausbau der Sozialversicherung, die Demokratisierung der Verwaltung und die Schulreform mit besonderer Energie durchgeführt und zur Gegenwartsforderung erhoben – deshalb ist das Ziel der SED der Sozialismus, die Sozialisierung der Produktionsmittel.Und Drittens: Der Wiederaufbau der durch den Faschismus zerstörten Städte, von Industrie, Wirtschaft und Verkehr, die Wiederherstellung einer gesunden Ernährungsbasis, die ganze Last des verlorenen Krieges – sie ruhen in erster Linie auf den Schultern der Werktätigen, der Arbeiter, Handwerker und Bauern. Sie müssen die Trümmer beseitigen, müssen die Reparationsleistungen erarbeiten, müssen die Ernährung sichern und die Produktion erhöhen. Sie und nicht die bürgerliche Minderheit sind in erster Linie berufen und verpflichtet, das Vaterland wieder aufzurichten. Das ist eine Arbeit der schaffenden Hände, ist schwere körperliche Arbeit aller Werktätigen. Sie aber sind vereinigt in der SED. Deshalb ist die SED als die Partei der Werktätigen 3 zugleich das fest stehende Bollwerk des Wiederaufbaus. Daß die SED sich dieser Aufgabe bewußt ist und daß ihre Sorge dem Wiederaufbau des ganzen deutschen Vaterlandes gilt, beweist ihr konsequenter Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse und die Einheit der deutschen Nation. Vor allem aus diesen drei Gründen kann es für jeden intelligenten und logisch denkenden Menschen nur eine Wahlentscheidung geben:Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.

Quelle: Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, Archiv, ED 188 (NL Karl Schultes), Bd. 50, n. fol. (ms. Ausfertigung mit ms. u. hs. Korrekturen).

1 2 3