Nr. 185e
9. August 1946

Schreiben Wilhelm Kaisens an Landespräsident Rudolf Paul über seinen Einsatz für ein vereinbartes Kompensationsgeschäft mit der britischen Besatzungszone


Der Präsident des Senats
Bremen, 9. August 1946
An den
Präsidenten des Landes Thüringen- Herrn Dr. Rudolf P a u l - W e i m a r

Sehr geehrter Herr Präsident!
Anläßlich meines Besuches in Weimar wurde in Gegenwart des Generals Kolesnitschenko ein Kompensationsgeschäft zwischen dem Zentralamt für Ernährung und Landwirtschaft in der britischen Zone und dem Lande Thüringen besprochen, das angeblich aus politischen Gründen nicht zum Zuge gekommen ist. Ich habe im Anschluß an die Erörterung dieser Frage von mir aus vorgeschlagen, bei meiner Rückkehr Herrn Minister Dr. Schlange-Schoeningen zu bitten, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen und die getroffenen Abmachungen einzuhalten. In Ausführung dieser Zusage habe ich mit den Hamburger Stellen gesprochen. Diese haben sich bereit erklärt, sofort wieder die Verbindung mit Weimar aufzunehmen, damit mit dem Geschäft begonnen werden könne. Es wurde mir gesagt, daß die Lieferung der Pferde sofort beginnen könnte, sobald ein Vertrag der Thüringer Landesregierung mit Genehmigungsvermerk der russischen Militärregierung vorliege. Diese Forderung müsse als Vorbedingung für den Beginn des Geschäfts erfüllt werden, andernfalls könne mit der Lieferung nicht begonnen werden. Leider seien auch hinsichtlich der nachher gelieferten Saaten keinerlei schriftliche Unterlagen vorhanden, aus denen hervorgehe, welche Saaten, in welchem Werte und wohin sie geliefert worden seien. Es werde jetzt versucht, festzustellen, wo sich diese Saaten befänden. Soweit bisher ermittelt werden konnte, ist ein Teil der Saaten bereits verwertet worden, da zunächst niemand wußte, wofür sie bestimmt waren und die Gefahr bestand, daß sie verdarben.Ich habe bei diesen Unterredungen den Eindruck gewonnen, daß es nicht an dem guten Willen von hier gefehlt hat, das Geschäft durchzuführen, weil diese Stellen sehr an der Ausfuhr der überzähligen Pferde interessiert sind, da diese Pferde hier als unnötige Fresser die Nahrungsbilanz mit belasten. Die Erledigung des Geschäfts verzögerte sich m.E. durch schlechte Zusammenarbeit im Schriftverkehr und für die Zukunft ist es wohl erforderlich, daß beide Stellen nicht nur großes Interesse an dem Austauschgeschäft zeigen, sondern daß auch die kaufmännische Durchführung des Geschäfts so aufgezogen werden muß, daß keine Schwierigkeiten eintreten. Wenn ich recht verstanden habe, soll jetzt ein Teil der Pferde schon im Anmarsch sein.Ich würde es begrüßen, wenn meine Bemühungen zu einem Erfolg geführt hätten. Sollten noch Schwierigkeiten eintreten, so bitte ich, mich zu verständigen. Ich selbst werde mit Ihnen gemeinsam alles tun, damit auftretende Schwierigkeiten verschwinden.
Mit den besten Grüßen
Ihrsehr ergebener Kaisen

Quelle:Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 390, Bl. 114r, 114v (ms. Ausfertigung).