Nr. 170b
15. Juli 1946

Schreiben des Landesdirektors für Land- und Forstwirtschaft Hans Lukaschek an das Präsidialamt zur Entschädigung beschlagnahmter Wiesen


Weimar, den 15. Juli 1946.
Land ThüringenLandesamt für Land- und Forstwirtschaft
An das
Präsidialamt W e i m a r

Ich bitte, auf die Tagesordnung der nächsten Regierungssitzung folgende Angelegenheit zu setzen: 1
Durch die russische Besatzung sind im Lande Thüringen 5 000 ha Kulturwiesen und 2 500 ha Waldwiesen in Anspruch genommen worden. Es wird in der Anlage eine Aufstellung überreicht, die die Flächen, die infrage kommenden Kreise und den Ertragsausfall aufzeigt. Für die Kulturwiesen ist ein Ertrag von 30 dz je ha, für die Waldwiesen ein Ertrag von 15 dz je ha angenommen worden. Daraus errechnet sich ein geldmäßiger Ausfall von insgesamt 937 500.-- RM. Da diese Flächen von 7 500 ha auf Grund eines Befehls der SMA zur Verfügung gestellt werden mussten, treten die Betroffenen an uns mit der Bitte um eine Entschädigung für den stattgehabten Ausfall heran. Daß eine solche Forderung der Billigkeit entspricht, kann nicht bezweifelt werden. Jedoch ist im Hinblick auf die Regelung der Reparationsleistungen die Vergütung des Ausfalls durch das Land in diesem Fall von grundsätzlicher Bedeutung, und es ergeben sich Bedenken, ob man diesem Antrage nachkommen kann. Im übrigen macht die Beschlagnahme auch noch sonstige Schwierigkeiten, weil die betreffenden Besitzer Anträge auf Futterzuteilung stellen, damit sie ihr Vieh erhalten und dem Aufbauplan für Viehzucht gemäß SMA-Befehl nachkommen können. Die Besitzer wären nämlich gezwungen, dieses Futter, das ihnen, wenn auch mit Schwierigkeiten, zugeteilt werden könnte, auch noch zu bezahlen.
Lukaschek
(Dr. Lukaschek)Vizepräsident und Landesdirektor.
Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Nr. 1451, Bl. 295.

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