Nr. 160a
12. Juni 1946
Mitteilung des Landespräsidenten über die Einrichtung einer Kirchenabteilung


Die neue Kirchenabteilung
im Präsidialamt 1
Im neuen demokratischen Deutschland ist die Trennung von Kirche und Staat durchgeführt. Es soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass Religion private Angelegenheit jedes Einzelnen ist. Die Kirche steht jedoch, wie jede andere Institution, unter dem Schutz des Staates und hat von diesem weitgehende Rechte zugestanden erhalten. Das geschieht, weil die Kirche als wichtiger Kulturträger anerkannt wird. Als solcher formt die Kirche die Menschen geistig mit, die sowohl Kirchenmitglieder wie aber auch auf der anderen Seite Staatsbürger sind. Daraus erwächst das Interesse des Staates, den Kirchen aller Konfessionen helfend und fördernd zur Seite zu stehen. Die Landesverwaltung möchte die Kirchen gerade jetzt, da es um den Wiederaufbau Deutschlands geht, zu gemeinsamer Arbeit gewinnen. Um diesen zu ermöglichen, hat sie ein Amt für kirchliche Angelegenheiten im Präsidialamt errichtet. Die Kirchenregierungen werden vertrauensvoll mit dieser Landesstelle zusammen arbeiten. Aber auch Kirchgemeinden und jedes Kirchenmitglied können sich in Sachen ihrer Kirche an die Abteilung für kirchliche Angelegenheiten im Präsidialamt, Weimar, jederzeit wenden.

Unter voller Anerkennung des Grundsatzes der Trennung von Kirche und Staat habe ich eine Abteilung für kirchliche Angelegenheiten im Präsidialamt errichtet.

Die äussere Trennung von Kirche und Staat kann und darf die ideelle Verbundenheit von Kirche und Staat nicht hindern. Wie die Kirche den Schutz des Staates geniesst und ihr seitens des Staates weitgehende Rechte eingeräumt sind, so wird die Kirche, bei aller religiösen Freiheit, die hohen Ideale, die sich die Mehrheit eines Volkes gesetzt hat und die aus der Ethik der menschlichen Gesellschaft entspringen, mit vertreten müssen.

In der Notzeit unseres deutschen Volkes sind dem Lande Thüringen gewaltige Aufgaben erwachsen, an deren Lösung die Landesverwaltung auch die Kirchen aller Konfessionen heranziehen möchte. Die Errichtung einer Kirchenabteilung im Präsidialamt hat daher den Zweck, ein gemeinsames Arbeiten in den die Kirche berührenden kulturellen Fragen und auf dem Gebiet sozialer Fürsorge zu gewährleisten.

Ich hoffe und wünsche, dass dieses Handinhandarbeiten zwischen Kirch[en]regierungen 2 und Staat dem Lande Thüringen und damit unserem deutschen Volke zum Segen gereichen möge.

Weimar, den 12. Juni 1946
Der LandespräsidentQuelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 514, Bl. 284r, 285r (ms. Ausfertigung).

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