Nr. 139
2. Mai 1946
Aus einem politischen Lagebericht zum Verhältnis zwischen deutscher Bevölkerung und Besatzungsmacht

Weimar, den 2. Mai 1946
Der Oberstaatsanwalt beim LandgerichtGesch.-Nr.: 40 a
G e h e i m ! 1
An denHerrn Präsidentendes Landes Thüringen in W e i m a r
Politischer Lagebericht vom 2. Mai 1946.
[…] 2 b) Der Leiter der Zweigstelle Ilmenau nimmt den ruhigen Verlauf des Berichtszeitraumes zum Anlaß, um kurz über das Verhältnis zwischen der sowjetischen Militärverwaltung und der deutschen Zivilverwaltung ein Stimmungsbild zu geben: Die Bevölkerung sieht in der Besatzung keinesfalls eine Macht, die zu dem Zwecke eingesetzt ist, auf Grund eines errungenen Sieges diese ihre Macht auch nach außen hin zu dokumentieren, vielmehr wurde die Tatsache der Besatzung als notwendige Folge eines verlorenen Krieges und der damit verbundenen Wiedergutmachung für durchaus gerecht betrachtet. Aus diesem Gesichtspunkt heraus entfällt auch seitens der Bevölkerung jegliches Gefühl einer feindseligen Haltung gegenüber der Besatzungsarmee. –Der Bürger bemüht sich, jedem Angehörigen der Roten Armee seine Hilfe zuteil werden zu lassen, wenn es sich darum handelt, etwaige Unklarheiten zu beseitigen oder dem Betreffenden eine Auskunft zu geben.Der Angehörige der Roten Armee andererseits, auffallend schnell mit der deutschen Sprache vertraut geworden, ist für jeden Fingerzeig dankbar und es muß der Eindruck entstehen, daß in nicht allzu langer Zeit das gegenseitige Verhältnis einen freundschaftlichen Charakter annimmt.Übergriffe, die bei der Vielzahl der Volksarten innerhalb der Roten Armee unvermeidbar sind, werden nicht der Gesamtheit, sondern Einzelnen zur Last gelegt. Nur ganz vereinzelt tauchen Anzeigen auf, in die Angehörige der Besatzungsmacht verwickelt sind.
[…]

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1886, Bl. 109r (ms. Ausfertigung).

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