Nr. 134b
18. April 1946

Antwortschreiben des Landesdirektors
18. April 1946
An den
Herrn LandespräsidentenDr. P a u l W e i m a r

Sehr geehrter Herr Präsident!

Mit Bedauern habe ich von Ihrem Schreiben vom 17. d.M. Kenntnis genommen. Das Verhalten eines Angestellten des Landesamtes für Wirtschaft, der in einem Schreiben an die Kreisleitungen der Sozialistischen Einheitspartei die Aufforderung zur Gestellung von Arbeitskräften für die Außenstellen des Landesamtes für Wirtschaft gerichtet hat und dabei betont, daß die Leitungen in ihren Spitzen nur von den Mitgliedern der SEP besetzt werden dürfen, entspricht nicht der Anschauung der Amtsleitung und besonders nicht meinen Anschauungen. Ich betrachte das Amt nicht als eine parteipolitische Einrichtung, sondern bin gewillt, es aufrichtig im Geiste der wahren Demokratie zu leiten. Das schließt ein, daß auch die einzelnen Posten nicht von parteipolitischen Gesichtspunkten aus besetzt werden dürfen und die fachliche Eignung sowie die politische Zuverlässigkeit das Ausschlaggebende sind.

Ich habe dem Angestellten eine ernstliche Rüge erteilt und ihm in Aussicht gestellt, daß bei einer irgendwie gearteten Bevorzugung einer Partei sein Verbleiben in dem Amt nicht mehr möglich sein könnte. Wenn ich nicht gleich zum letzten Schritt gegangen bin, so hat es seine Ursachen darin, daß dieser Angestellte erst sehr kurze Zeit im Amt ist und daß bei der Abfassung des Briefes seine Teilnahme an dem Vereinigungsparteitag von SPD und KPD erst kurze Zeit hinter ihm lag. In einer überspitzten Auffassung der Bedeutung des Einigungsparteitages und des dabei zum Ausdruck gekommenen Anspruches auf Führung glaubte er ableiten zu müssen, daß durch die Stärke der geeinten Arbeiterparteien alle anderen Kräfte ausgeschaltet werden müßten.

Es kommt dazu, daß dieser Angestellte viele Jahre durch Gefängnisse, Zuchthäuser und Konzentrationslager gegangen ist und ihm aus dieser Zeit ein gewisses Mißtrauen gegen die hochkapitalistischen Kreise verblieben ist. Aus der Verwechslung der hochkapitalistischen Kreise mit den Kreisen des Bürgertums ist seine überspitzte Anschauung entstanden. Ich bedauere außerordentlich diesen Vorfall und werde strengstens darüber wachen, daß ähnliches sich nicht wiederholen kann.
Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr E. Frommhold

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar , Land Thüringen - Ministerium für Wirtschaft und Arbeit [und Verkehr], Nr. 181, Bl. 141r (ms. Ausfertigung).