Nr. 99a
17. Januar 1946
Protokoll der Sitzung des erweiterten Sekretariats

Erweiterte Sekretariatssitzung 17. 1. 1946 Bericht des Genossen Feilen über Wirtschaftskonferenz in Berlin 1
Anwesende:Gen. EggerathGen. KopsGen. HeymannGen. EyermannGen. FeilerGen. GauGen. SchillingGen. StrampferGen. Dr. HofmannGen. Dr. BeyerGen. TrillitzschGen. WojtkowskiGen. ZeltingerGen. BachmannGen. SchulzeGen. Krahn
Gen. Eggerath hielt einleitend fest, dass auf dem wichtigsten Sektor der Wirtschaft wir einen ziemlichen Tempoverlust haben. In Auswertung der Jenaer Konferenz 2 soll durch Verbindungen mit der Gewerkschafts- und Verwaltungsabteilung eine gute Wirtschaftsabteilung geschaffen werden, für welche der Gen. Strampfer verantwortlich gemacht wird. Gen. Feilen berichtet: 3 Auch in Berlin wurde unser Tempoverlust aufgezeigt. Als einziger Bezirk ist Sachsen mit einem guten Bericht vertreten. Gen. Leuschner, Berlin, hat aufgrund der Brichte folgende Aufgaben gestellt:
1. Der Produktionsplan 1946 war für ganz Deutschland. Deshalb sind gewisse Schwierigkeiten durch Zoneneinteilung, mit ihren Gegensätzen aufgetreten. Die Aufgabe der Selbstverwaltungen ist, die Wirtschaft zu lenken. Verantwortlich für Produktion sind die Arbeiter und die Gewerkschaften. Hauptaufgabe für Arbeiter: Zerschlagung der Monopole und Zerschlagung der Konzerne.
2. Die Rohstoff-Frage ist z.Zt. noch schwierig. Berlin hat aber einige Lichtblicke gezeigt. Allgemeine Richtung unseres Aussenhandels im Südosten, nicht im Westen. Deshalb besondere Beobachtung verschiedener Bemühungen industrieller und politischer Kreise aus dem Westen. Bei planmässigem Aufbau müssen zuerst die Konzerne zerschlagen werden. SPD-Anträge auf Zerschlagung bedeuten nur Phrasen.
3. Im Vordergrund der Produktion stehen die Produktionsmittel, um einen Aussenhandel aufzubauen. Daneben als vordringlich landwirtschaftliche Maschinen.
4. Handwerksbetriebe sollen in gewissem Rahmen bestehen bleiben. Der Grosshandel, welcher im Westen blüht, findet hier keine Unterstützung, da hier der Konsum diese Aufgaben übernehmen soll. Die Bildung von neuen Genossenschaften wird als falsch bezeichnet, da sich gezeigt hat, dass die Arbeiterschaft dadurch für den Klassenkampf nur zur Passivität erzogen wird.
6. 4 Alle Unternehmer-Verbände sind schnellstens zu liquidieren. Für Thüringen besteht hier die Industrie- und Handelskammer. Der Produktionsplan ist durch einen Finanzplan zu erweitern und zu unterbauen. Durch die Auszahlung der Bankkonten könnte eine Inflation verhindert werden; deshalb nur bescheidene Auszahlungen in besonderer Form aus einem Sonderfonds. Neue Grossbanken werden nicht eröffnet, nur kleinere Kreditinstitute werden zugelassen. Der Notenumlauf wird nicht erhöht.Er betrug: 1918: 100 Milliarden, 1933 25 Milliarden, 1945 675 Milliarden. Neues Alliiertengeld wird nicht ausgegeben. Der schwarze Markt ist wohl ein Übel, aber nicht von wirtschaftlicher Entscheidung. Die Forderung auf Anerkennung der Reichsanleihen wird von uns abgelehnt. In der Frage des Schuldenproblemes gibt es kein Moaratorium, sondern zunächst mal Stundung der Schulden. Zur Steuerreform sind verschiedene Vorschläge (Junggesellensteuer) in Fortfall.
7. Um den Anschluss an neue Ernte zu erreichen, müssen Schiebungen und Preisüberhöhungen scharf überwacht werden. Schulungsarbeit in wirtschaftlichen Fragen ist eine unserer Hauptaufgaben, da die Arbeiterschaft mit verantwortlich für den Produktionsplan und den wirtschaftlichen Aufbau ist. Die Reinigung der gewerblichen Wirtschaft von Nazis steht mit im Vordergrund. Wir sollten uns auf weniger Fragen konzentrieren: Zerschlagung der Konzerne, Beseitigung der Wirtschaftsfachgruppen, Durchführung der Befehle 124/126. Für diese Aufgaben die ganze Kraft der Partei einzusetzen, besonders die Jenaer Konferenz ist in dieser Richtung auszuwerten. Aufgabe für den Genossen Strampfer : gemeinsam mit der BL eine Kampagne durchzuführen. Der Wirtschaftsstab des Präsidenten ist aufzulösen, eine Sonderabteilung unserer Genossen im Wirtschaftsamt unter Busse ist dafür einzusetzen.Bei der Bedeutung Thüringens als wirtschaftliches Experimentierfeld für ganz Deutschland müssen wir die Arbeiterschaft mobilisieren. In Verbindung mit den Gewerkschaften sind diese Fragen zu stellen.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt, I/2-002, Bl. 23r, 24r (ms. Ausfertigung).

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