Nr. 123b
28. März 1946

Eintrag in das Gästebuch des Landespräsidenten Rudolf Paul 16

Zu den Musen ging ich u[nd 17 ] bat um ein zierliches Sprüchlein,
In das Buch des Landesvaters zu schreiben. Thalia,Auch Melpomene, Terpsichore, auch EuterpeLächelten hold: Wir sind ihm gewogen, ihm u[nd] der Gattin.Klio schlief. Sie erwachte und sprach: „Er grub seinen NamenIn mein marmornes Gästebuch. Erwidern wir nächstensSeinen Besuch, u[nd] einen guten kastalischen TropfenTrinken wir miteinander. Wir kennen den Weg ja nach Weimar.“Aber mein Vers in das Buch! „Die Musen lassen ihn grüßen!“
Ricarda Huch
28. März 1946

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, NL Rudolf Paul, Nr. 2, Bl. 12r (hs. Eintrag).

16 Das Gästebuch wurde am 8.1.1946 begonnen u. endete mit dem Eintrag Johannes R. Bechers v. Juni 1947 (Dok. 259 b);bei seiner Flucht in die amerikanische Besatzungszone Anfang September 1947 nahm Paul das Gästebuch mit, das in Frankfurt/M verblieb; von der juristischen Erbin Gisela Wagenknecht wurde es mit dem von ihr verwalteten NL Rudolf Pauls dem Hauptstaatsarchiv Weimar übergeben;als weitere Einträge vgl. Dok. 103 c (Karl Geiler), Dok. 145 a (Hans Schlange-Schöningen) u. Dok. 185 a (Wilhelm Kaisen). 17 Ergänzungen in eckigen Klammern.