Nr. 129d
7. Juni 1946
Schreiben des Rektors an Rudolf Paul über ein geringes Kontingent nach Rücksprache mit Walter Wolf

7. Juni 1946.
An denPräsidenten des Landes ThüringenDr. P a u l in W e i m a r
Hochzuverehrender Herr Landespräsident! In meinem Schreiben vom 29. v. Mts. hatte ich im Einvernehmen mit dem Herrn Kurator 3000 als Höchstgrenze der Studentenzahl vorgeschlagen. Nunmehr erlaube ich mir im Einvernehmen mit dem Herrn Landesdirektor für Volksbildung und dem Herrn Kurator zu empfehlen unter Festhaltung der angegebenen Höchstgrenze, zunächst nicht weiter als bis rund 2000 zu gehen. Auf Grund davon unterbreite ich in der Anlage 1 einen Vorschlag für die Festsetzung der Kontingente der einzelnen Fächer. Die also vorschlagsweise in die letzte Kolumne eingesetzten Zahlen sind mit geringer Abrundung nach oben durch Addition der Kol. 1-3 zu Kol. 6 gewonnen, und die Gesamtzahl durch Addition von 330 (Kol. 4) zur Summe der Einzelkontingente. Wenn die so errechnete Gesamtzahl mehr als 2000 beträgt, so bemerke ich dazu, dass die Gesamtzahl in Wahrheit nicht erreicht werden wird, da bei der Durchprüfung der 673 vorliegenden Neuanmeldungen eine nicht unbeträchtliche Zahl ausscheiden wird, so dass keinesfalls ein erhebliches Überschreiten von 2000 eintreten wird. Für die Durchführung der Prüfung der Neuanmeldungen dürfte folgendes Verfahren empfehlenswert sein:1) Vorprüfung durch die Studentenvertretung in Gemeinschaft mit den Vertretern der antifaschistischen Parteien,2) Prüfung durch die Dekane oder deren Beauftragte,3) Prüfung durch Regierungsrat Hochkeppler und Herrn Schulz4) Entscheidung durch Herrn Landesdirektor Dr. WolfZu 1) und 2) unter Oberaufsicht von Rektor und KuratorWie bisher werden von der Zulassung zum Studium ausgeschlossen:1) Mitglieder, auch nominelle und korporativ überführte und Anwärter der NSDAP2) HJ-Führer in Dienstgraden über dem ScharführerBDM-Führerinnen in den Dienstgraden über Scharführerin3) Aktive Soldaten in Dienstgraden über dem Feldwebel4) Soldaten im Reserveverhältnis vom Leutnant einschliesslich ab.
Ihr ganz ergebenster[ohne Unterschrift]

In Abschrift an den Landesdirektor für VolksbildungHerrn Dr. h.c. Wolf in Weimar mit der Bitte um Kenntnisnahme. Z.

Quelle: Universitätsarchiv Jena [der FSU Jena], Best. BB, Nr. 2, Bl. 183r, 183v (ms. Ausfertigung)

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