Nr. 128
29. März 1946
Schreiben des Landespräsidenten Rudolf Paul an den Jenaer Rektor Friedrich Zucker über seine Unterredung mit dem SMATh-Verwaltungschef

Weimar den 29. März 1946Der Präsident des Landes ThüringenAn denHerrn Rektor der Friedrich-Schiller-Universität J e n a

Magnifizenz !
Ich hatte gestern eine längere Unterredung mit Herrn Generalmajor Kolesnitschenko über die Universität. Die Ausführungen der Administration waren, wie ich zu meiner Freude feststellen konnte, von besonderem Wohlwollen für die Universität getragen. Generalmajor Kolesnitschenko legt Wert darauf zu erfahren, ob und welche Mängel in der Verpflegung und Unterbringung der Professoren oder Studenten vorlägen. Dabei kam auch die Rede auf das Universitätsgut. Generalmajor Kolesnitschenko wünscht, dass zunächst einmal den Studenten der Landwirtschaft auf diesem Gut die Möglichkeit zur praktischen Betätigung gegeben ist, des weiteren, dass die Erträgnisse dieses Gutes mit dazu verwendet werden, um die Ernährung der Studenten und des Lehrkörpers zu unterstützen und zu verbessern.Die von mir eingeleitete Zurverfügungstellung von Schlössern für die Studentenschaft bezw. den Lehrkörper wurde von der Administration besonders beifällig begrüsst. Ich hatte vor einiger Zeit den Landrat von Stadtroda angerufen, sich mit Ihnen bezw. Herrn Kurator Dr. Bense in Verbindung zu setzen, und zwar dahin, dass die Schlösser Hummelshain und die Dornburger Schlösser der Universität zur Verfügung gestellt werden, das eine für die Studenten, das andere für den Lehrkörper. Ich bitte Sie, die Verhandlungen in dieser Richtung von dort aus weiter zu führen. Die Administration wünscht nicht, dass in Zukunft ohne zuvorige Zustimmung von mir Reden irgendwelcher Art von Aussenstehenden an der Universität gehalten werden. Der von mir der Administration vorgeschlagene Plan, mit dem Beginn des kommenden Semesters jeden Montag von 12-1 in einer für alle Studenten der Universität gegebenen Pflichtvorlesung Vorträge von mir und Vizepräsident Lukaschek und den Präsidenten des Oberlandes- und Oberverwaltungsgerichts, Herrn Landesdirektor Dr. Wolf und anderen von mir zu bestimmenden Personen einzuführen, fand Beifall. 1 Ich werde mich in der Angelegenheit mit Herrn Landesdirektor Dr. Wolf ins Benehmen setzen und Sie demnächst zu einer gemeinsamen Rücksprache bitten.
Dr. Paul. (Dr. Paul)

Quelle: Universitätsarchiv Jena [der FSU Jena], Best. BB, Nr. 2, Bl. 114r, 114v (ms. Ausfertigung).

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