Nr. 57g
3. Januar 1946
Schreiben des Leiters des Wirtschaftsstabes Curt Fischer an das bayrische Wirtschaftsministerium zur Zustimmung der SMATh zum Zellstoff-Zellwolle-Kompensationsgeschäft und zum Scheitern des Handelsvertrages

Ablegen! vorher Herrn Biedermann z. Kenntnis!
3. Jan. 1946
Wirtschaftsstab An Herrn Dr. A. Hilger van Scherpenberg 1 im bayrischen Staatsministerium für Wirtschaft M ü n c h e n
Sehr geehrter Herr Dr. van Scherpenberg!
Ich habe mich außerordentlich gefreut, von Ihnen durch Ihr Schreiben vom 21. Dehzember 1945 nach einer längeren Zeitspanne wieder zu hören. Ich freue mich außerdem besonders, mit gleicher Post dem bayrischen Staatsministerium für Wirtschaft mitteilen zu können, daß er von Ihnen ausgearbeitete und vorgetragene Vorschlag betreffend ein Kompensationsgeschäft Zellwolle und Schwefel gegen Zellstoff die sofortige Zustimmung der Sowjet-Militär-Administration des Landes Thüringen gefunden hat. 2 Ich hoffe mit Ihnen zuversichtlich, daß wir mit dieser zweiten Vereinbarung über einen kleinen, bescheidenen Warenverkehr mehr Glück haben, auch hinsichtlich der praktischen Ausführung, als mit unserer ersten Vereinbarung vom 20. Oktober 1945, die leider zerredet und zerhandelt wurde. Ich bin nicht vollständig orientiert darüber, welche der russischen, amerikanischen oder deutschen Dienststellen in Berlin letztlich unsere Vereinbarung vom 20. Okt. vorliegen hatte, aus welchen Gründen sie eines stillen, geräuschlosen Todes sterben mußte. Mir wurde aus Berlin berichtet, daß Sie, sehr geehrter Herr Dr. van Scherpenberg, im November zu Verhandlungen in Berlin geweilt haben. Mir ist nicht bekannt, ob für Sie in Berlin auch unser Handelsvertrag Gegenstand Ihrer persönlichen Bemühungen war. Ich habe es nur sowohl im Interesse der Sache als auch im Interesse eines persönlichen Wiedersehens mit Ihnen herzlich bedauert, daß Sie Ihr Weg nicht über Weimar geführt hat. Vielleicht wäre dann doch noch einiges aus unserem Handelsvertrag zu retten gewesen. Ich hoffe sehr, daß mich in den nächsten Wochen mein Weg wieder einmal in das schöne Land Bayern führen wird. Inzwischen bitte ich Sie, Ihrem sehr verehrten Herrn Wirtschaftsminister Dr. Erhard 3 meine aufrichtigen Grüße zu übermitteln. Sie selbst begrüße ich bis zu unserem nächsten Wiedersehen als
Ihr sehr ergebener Dr. F.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1390, B. 229r, 229v (ms. Durchschrift).

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