Nr. 125a
25./ 27. März 1946
Aktenvermerk Herbert Biedermanns über eine „Interzonenbesprechung“ beim Chef der SMAD-Außenhandels-Verwaltung Wassili K. Michin

Weimar, den 27. März 1946Bi/URHerrnPräsident Dr. Paul zur gefl. Kenntnis

A k t e n v e r m e r k Interzonenbesprechung am Montag, d. 25.3. in Berlin bei Herrn Oberst Michin, Leiter derAussenhandelsstelle der SMA Karlshorst
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In einer ca. 6-stündigen Besprechung, zu der Vertreter der SMA’s und der verschiedenen Provinzial- bzw. Landesverwaltungen anwesend waren, erklärte Herr Oberst Michin einleitend, dass der Interzonenhandel in den letzten Wochen absolut unbefriedigend angelaufen ist und er daher annimmt, dass in den einzelnen Ländern und Provinzen der Befehl 05 1 des Herrn Marschall Shukow nicht genügend bekannt war bzw. die entsprechenden Abteilungen für die Durchführung dieses Interzonenhandels noch nicht vorhanden bzw. noch nicht aktiv genug waren. Er erklärte u.a., dass für die Durchführung dieses Interzonenhandels in den einzelnen Provinzial- und Landesverwaltungen verantwortliche Herren eingesetzt werden müssen, die sich mit vollster Aktivität ab sofort betätigen müssen. Er bat um entsprechende Vorschläge.

A. Interzonenhandel
Zur Frage des Interzonenhandels wurde vom Vertreter des Landes Thüringen der Vorschlag gemacht, dass die eigentliche Bearbeitung dezentralisiert wird auf die Provinzial- und Landesverwaltungen in Zusammenarbeit mit den zuständigen SMA’s und eine Koordinierung über die Zentralverwaltung bzw. über die SMA in Karlshorst erfolgt. Dieser Vorschlag wurde grundsätzlich von der Provinz Sachsen und teilweise vom Land Sachsen unterstützt. Von dem Vertreter der Provinz Mecklenburg wurde die Befürchtung ausgesprochen, dass bei dieser Regelung die Belange der Provinzen Brandenburg und Mecklenburg vernachlässigt werden, da diese Provinzen praktisch sehr wenig im Interzonenhandel anzubieten haben.Der Vertreter der Zentralverwaltung in Berlin vertrat naturgemäss den Standpunkt, dass der Interzonenhandel nur zentral über Berlin gelenkt werden kann.

B. Interzonenpass
Zur Frage des Interzonenpasses wurde ebenfalls vom Vertreter des Landes Thüringen erklärt, dass es wünschenswert erscheint, in Anlehnung an den bestehenden Dreisprachenpass auch für die Zukunft einen kurzbefristeteten kleinen Grenzpass einzurichten, der dezentralisieret von den SMA’s und Provinzen und Ländern ausgeschrieben wird. Parallel hierzu soll der sog. Interzonenpasse für alle Zonen laufen, der grundsätzlich für einige Monate bzw. ein Jahr Gültigkeit hat. Diesem Vorschlag wurde allgemein von seiten der Länder und Provinzen einschl. der Zentralverwaltung zugestimmt.

C. Grosshandelsfirmen bzw. Genossenschaften
Vom Vertreter des Landes Sachsen wurde der Vorschlag gemacht, eine besondere Einkaufs- und Verkaufs-Gmb.H. mit 51 % Landesanteil zu gründen, die sowohl für den Interzonenhandel als auch für bestimmte Zwecke des Handels im eigenen Lande eingesetzt werden soll. Von den übrigen Vertretern der Länder und Provinzen, insbesondere vom Vertreter des Landes Thüringen wurde der Standpunkt vertreten, dass in einer noch festzulegenden Form einige der bereits bestehenden Grossfirmen oder Grosshänderl für die Durchführung dieses Interzonenhandels herangezogen werden, um das laut Befehl 05 vorgesehene Genehmigungsverfahren über Berlin zu vereinfachen. Es bestand darüber Einigkeit, dass der augenblickliche Handel bereits sehr stark mit Handelsfirmen, G.m.b.H.‘s usw. übersetzt ist. Der Vertreter der Zentralverwaltung stimmte im allgemeinen diesem Vorschlage zu, wogegen der Leiter des Aussenhandels der SMA Karlshorst, Abteilung Import, Herr Dawidow, hinzufügte, dass für bestimmte Warengruppen wie z.B. Sämereien, Kali, Grubenholz usw. fachlich ausgerichtete Einkaufs- und Verkaufsgesellschaften eingerichtet werden, die zentral für die gesamte sowjetrussisch besetzte Zone arbeiten.
Im 2. Teil der Besprechung nahm Herr Oberst Michin persönlich zu den Vorschlägen Stellung und erklärte allgemein, dass im einzelnen eine genaue Prüfung erfolgt und dementsprechend Änderungen der bisherigen Vorschriften möglich wären. Zu den vorgetragenen Punkten nahm er wie folgt Stellung:
Zu A: Der Interzonenhandel muss bis auf weiteres gemäss Befehl 05 des Herrn Marschall Shukow zentral über Berlin durchgeführt werden. Zum schnelleren Anlauf dieses Interzonenhandels und zur Vereinfachung des Papierkrieges ist es absolut gestattet, dass die einzelnen Provinzial- und Landesverwaltungen wie bisher in Thüringen mit anderen Zonen bzw. Teilgebieten dieser anderen Zonen Rahmenverträge abschliessen, die von Berlin aus genehmigt werden müssen. Darüber hinaus gab er Anweisung, dass ihm bis zum 1.4.46 von den einzelnen Provinzen und Ländern gemeldet wird, welcher Herr für die Durchführung des Interzonenhandels persönlich verantwortlich ist, dass 2. bis zum 1.4. eine Meldung darüber erstattet werden muss, in welcher Form der Kurierdienst nach Berlin eingerichtet wird, und bat 3. um Mitteilung der Telefonanschlüsse der zuständigen Herren, wobei er gleichzeitig seinen Anruf und die Telefonnummern seiner engeren Mitarbeiter bekanntgab.
Er sprach die Bitte aus, dass in Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit der SMA Karlshorst erfolgt und er jederzeit bei auftretenden Problemen sofort telefonisch und damit persönlich eingeschaltet werden möchte.
Zu B: Herr Oberst Michin trat grundsätzlich für den Interzonenpass ein, der durch seine längere Laufzeit den Besitzern die Möglichkeit geben wird, auf lange Zeit ungehindert ihre Reisen durchzuführen. Dies käme besonders für die unter C genannten Vertreter der Handelsfirmen in Frage.
Darüber hinaus wird jedoch die Frage eines kleinen Grenzpasses sorgfältig geprüft, da dieser aufgrund der bisher besonders in Thüringen gemachten Erfahrungen sehr wertvoll erscheint. Versuche anderer Länder, ebenfalls einen derartigen kleinen Pass einzurichten, sind daran gescheitert, dass die Engländer und Amerikaner diese Pässe nicht anerkennen. Der von Herrn Garde-General-Major Kolesnitschenko unterschriebene Pass wird dagegen praktisch in der gesamten amerikanischen und 100 %ig in der gesamten englischen Zone anerkannt.
Zu C: Herr Oberst Michin vertrat den Standpunkt, dass der Handel mit seinen bisherigen Firmen, Grosshändlern und Vertretern sehr stark übersetzt ist und es daher nicht wünschenswert erscheint, zusätzlich neue Handelsfirmen für die Durchführung des Interzonenhandels zu gründen. Es muss möglich sein, bestimmte Firmen unter Zusammenfassung des Interzonenhandels heranzuziehen und sie damit für eine Vielzahl anderer Händler einzusetzen. (Einschränkung des Papierverfahrens)
Zum anderen legt er Wert darauf, dass bei der Heranziehung von Grossfirmen für den Interzonenhandel keine neuen monopolistischen Handelszentren geschaffen werden, die mit der Zeit wiederum gewinnsüchtige und damit kapitalistische Tendenzen hervorbringen.
Zum Vorschlag des Landes Sachsen bezüglich der Schaffung einer neuen Handelsgesellschaft wurde Anweisung gegeben, sämtliche Unterlagen wie Gesellschaftsvertrag, Teilnehmerverzeichnis usw. vorher der SMA Karlshorst zur Genehmigung einzureichen. Ein endgültiger Entscheid folgt danach.
Abschliessend wurde noch erklärt, dass der sog. Güterpass, von dem die ersten Mustersätze den Ländern und Provinzen in den nächsten 8 Tagen zugestellt werden, in Zukunft gleichzeitig mit dem Formblatt Nr. 1 für Bezug und Lieferung nach Berlin einzusenden ist, um bei erfolgter Genehmigung einen nochmaligen Zeitverlust für die Unterschrift des Güterpasses zu vermeiden.
Grundsätzlich wurden die Länder und Provinzen aufgefordert, sich sowohl die Formblätter als auch die Güterpässe selbst drucken zu lassen, um nicht durch den Mangel an Unterlagen den Interzonenhandel zu verzögern.
Biedermann (Biedermann)Sonderbeauftragter
Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1361, Bl. 245r-247r (ms. Ausfertigung).

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