Nr. 97c
31. Januar 1946
Schreiben der Deutschen Verwaltung für Handel und Versorgung an das Landesamt für Arbeit und Sozialfürsorge über die Berliner Verhandlungen

A b s c h r i f t.
Der Präsident derDeutschen Verwaltung für Handel und Versorgungin der sowjetischen BesatzungszoneBerlin, den 31. Januar 1946.
An dieLandesverwaltung des Bundeslandes ThüringenLandesamt für Arbeit und Sozialfürsorge W e i m a r

Betr.: Kompensationsverhandlungen mit der Tschechoslowakei.
Unter Bezugnahme auf Ihr Schreiben vom 16. Januar 1946 und die Besprechungen mit den Herren Baumeister Schücker und Regierungsrat Pätzold am 17. Januar 1946 teile ich mit:Ich habe es lebhaft begrüsst, dass durch die Bemühungen der genannten Herren eine wertvolle Vorarbeit für den Kompensationsverkehr mit der Tschechoslowakei geleistet worden ist. Zur sofortigen Bearbeitung des Vorschlages habe ich daher die Herren zusammen mit meinem Sachbearbeiter für den folgenden Vormittag zu einer Vorsprache bei der Sowjetischen Militäradministration in Karlshorst anmelden lassen. Darauf ist jedoch erwidert worden, dass Herr Oberst Michin verreise und somit die Herren nicht empfangen könne. Da die Entscheidung allein bei Herrn Oberst Michin liegt, war von der Besprechung mit einem anderen Herren der SMA eine Förderung der Angelegenheit nicht zu erwarten. Aus diesem Grunde habe ich mich mit Herrn Oberst Michin noch selbst in Verbindung gesetzt. Er hat mir mitgeteilt, er müsse für einige Tage verreisen und bitte daher, von dem Besuch abzusehen. Das beabsichtigte Abkommen habe zudem keine Aussicht auf Durchführung, da die Einfuhr von Glas aus der Tschechoslowakei von ihm nicht gewünscht werde.Nach dieser Auskunft habe ich den Herren zu meinem Bedauern mitteilen müssen, dass ich eine Vorsprache in Karlshorst für zwecklos halte. Wenn Herr Oberst Michin die Herren dann gleichwohl empfangen hat, so möchte ich hoffen, dass er den Vorschlag jetzt günstiger beurteilt. Ein solcher Rückschluss wäre allerdings nicht ohne weiteres gerechtfertigt, da in ähnlichen Fällen verschiedentlich nachträglich keine oder ablehnende Bescheide erteilt worden sind.Sollte Ihnen eine weitere Nachricht zugehen, so bitte ich, mich alsbald zu unterrichten, damit ich unterstützend eingreifen kann.
gez. Hermann.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1678, Bl. 124r (ms. Abschrift).