Nr. 79c
17. November 1945
Schreiben Rudolf Pauls an Rektor Friedrich Zucker über die mündliche Zusage des Lehrbeginns durch den Obersten SMAD-Chef

Der Präsident des Landes ThüringenWeimar, den 17. November 1945An denHerrn Rektor der Friedrich-Schiller Universität JenaJ e n a

Magnifizenz!
Bei meinem Aufenthalt in Berlin 1 trug ich Herrn Marschall Shukow als persönliche Bitte vor, mich bezüglich der baldigen Eröffnung der Universität und bezüglich der Höhe der zuzulassenden Studenten zu unterstützen. Ich wies darauf hin, dass die vorgegebene Menge von 250 Studenten für die Medizin völlig ungenügend sei und dass man bei Einsetzung einer Zahl für die Zuzulassenden davon ausgehen müsse, dass sich jetzt im wesentlichen 5-6 Jahrgänge aufgesammelt hätten. Marschall Shukow wird die Angelegenheit wohlwollend prüfen. 2 Ich nahm Gelegenheit, im Anschluss an diese Besprechung mit dem massgeblichen Bearbeiter der Sowjet-Militär-Administration in Karlshorst 3 im gleichen Sinne zu sprechen, gleichfalls auch mit den deutschen Zentralverwaltungsstellen. Von allen wurde mir schliesslich weitgehendste Unterstützung zugesagt, insbesondere auch im Hinblick darauf, dass Jena die erste Universität im sowjetischen Gebiet ist, die eröffnet wird. Ich habe infolgedessen auch die Hoffnung, dass die Zahl der Studenten heraufgesetzt wird und dass nicht, wie es jetzt der Fall ist, Leute nicht zum Studium zugelassen werden, die bereits eine ganze Anzahl Semester studiert haben.
Kenntnis genommen Dr. Paul 23. 11. 45. Zucker(Dr. Paul)

Quelle: Universitätsarchiv Jena [der FSU Jena] , Best. BB, Nr. 24, Bl. 78r (ms. Ausfertigung).

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