Nr. 66b
22. November 1945

Der Geschäftsführenden-Ausschuss des CDU-Landesverbandes zum „Fall Kolter“ und zur Nachfolgefrage


P r o t o k o l l über die Sitzung des Geschäftsführenden-Ausschusses am Donnerstag, den 22. 1. 1945 im Hotel „Fürstenhof“Beginn: 19 Uhr.Folge 1-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Anwesend: Herr G r o s s eHerr Dr. K r u p k aHerr B a c hHerr G i e s b e r t sHerr M e i s e lHerr F r a n zHerr J e n n i g e sFrau W r o n k aHerr K u c e r aHerr T h i e lHerr W o h l f a r t hHerr A r t m a n n.
Es fehlten:Herr Dr. T y c z k aFrau M ü l l e r
Herr Dr. Krupka eröffnete die Sitzung und gab einen kurzen Überblick des Falles Dr. Kolter.Die Vorwürfe gegen Herrn Dr. Kolter sind:
1.) Das Landesamt nicht genügend von Nazielementen gesäubert.
2.) Bodenreform sabotiert.
3.) Ungerechte Verteilung des Aufgangssolls.Ein Rechtfertigungsschreiben wurde am 4. 11. 1945 nach Berlin gesandt mit der Bitte um Absetzung des Herrn Dr. Kolter.
Zu Punkt 1 bemerkte Herr Dr. Krupka: Für die Personalpolitik des Landesamtes war im wesentlichen Herr Dr. Gasteiger verantwortlich. Herr Dr. Gasteiger hat das Amt in dieser Hinsicht nicht so erhalten, wie es sein musste. Das Laufen des Apparates lag in den Händen des Stellvertreters, eben in den Händen Dr. Gasteigers. Nach der kurzen Verhaftung von Herrn Dr. Krupka entzog sich Herr Dr. Gasteiger durch Flucht der Verantwortung.
Zu Punkt 2 der Vorwürfe: Hierzu bemerkte Herr Dr. Krupka, dass das gesamte Ressort aus dem Landesamt herausgenommen und in ein besonderes Amt für Bodenreform zusammengefasst wurde unter Leitung des Vizepräsidenten Busse. Aktive Eingriffe unsererseits waren untersagt. Alle diesbezüglichen Fragen wurden an dieses Amt weitergegeben.
Zu Punkt 3 : Zur ungerechten Verteilung des Aufgangssolls wurde festgestellt, dass die Verteilung Aufgabe der Landräte war. Herr Dr. Krupka bat um Mitteilung von Beweismaterial, ganz gleich, ob belastend oder nicht.Vertreter der CDUD sprachen mehrmals beim Präsidenten vor und baten, das Amt des Vizepräsidenten und Landesdirektors für uns freiezuhalten. Als Nachfolger wurde Herr Dr. Lukaschek in Aussicht genommen. Eine Vorstellung beim Generalmajor Kolesnitschenko ist bereits erfolgt. Notwendig ist noch ein Besuch beim Gardegeneral Tschuikow. Herr Dr. Lukaschek nimmt nur an mit der Zustimmung, dass er als Vizepräsident und Landesdirektor eiengesetzt wird. Die Vorstellung beim Gardegeneral sollte am 22.11.45 abends erfolgen.Es wurde beraten, welche Auskunft man den Kreis- und Ortsverbänden über den Fall Dr. Kolter geben könne. Eine endgültige Stellungnahme hierzu ist verfrüht, jedoch erklärte man sich einverstanden, einen Zwischenbescheid zu erteilen in der Weise, dass man erkläre, die Angriffe seien in dieser Form sachlich unberechtigt.Herr Grosse bemerkte, dass, falls die Vorstellung beim Gardegeneral mit Herrn Dr. Lukaschek negativ ausfiele, wir dann keinen Vertreter mehr benenennen könnten. Es wäre dann notwendig, Fühlung mit Berlin zu nehmen und die dortige Entscheidung zu erbitten.Es wurde der Vorschlag unterbreitet, ob es angängig sei, dass wir für den Vizepräsidenten und Landesdirektor je einen anderen Vertreter benennen könnten. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt.Herr Giesberts bemerkte abschliessend, dass, falls wir den Kommunisten das Landesamt überlassen, wir damit sozusagen gleichzeitig den Sündenbock liefern würden.
[…]

Quelle:Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung St. Augustin , 03-031-204, n. fol. (ms. Ausfertigung)