Nr. 63b
10. November 1945
Schreiben des Aufsichtsratsvorsitzenden er Thüringischen Verwaltungs-Gesellschaft Hermann Brill an Landespräsident Rudolf Paul über den Vorrang des Thüringer Sequestrations- und Enteignungsgesetzes vor dem SMAD-Befehl 124

Thüringische Verwaltungs-Gesellschaft m.b.H., Weimar
Weimar, den 10. November 1945
An denHerrn Präsidenten des Landes ThüringenDr. P a u l W e i m a r
Sehr geehrter Herr Präsident!Indem ich mich auf den gestern gehaltenen Vortrag beziehe, erlaube ich mir ergebenst darauf aufmerksam zu machen, dass der inNr. 147 der Täglichen Rundschaft auf Seite 1 veröffentlichte Befehl Nr. 124 des Marschalls der Sowjetischen Union, Shukovunter Umständen das Thüringische Gesetz über die Sicherstellung und Enteignung von Nazivermögen v. 9. 10. 45 berührt.Die Thüringische Verwaltungs-Gesellschaft vertritt den Standpunkt, dass das Gesetz über die Sicherstellung und Enteignung von Nazivermögen v. 9. Oktober 45 auf Grund der Tatsache, dass es aus deren Rechtsquelle, nämlich vom Chef der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland hervorgegangen ist, dem genannten Befehl als lex generalis vorgeht.Um jedoch Störungen im Geschäftsbetrieb der Thüringischen Verwaltungs-Gesellschaft zu vermeiden, bitte ich, bei Gelegenheit die Auffassung der Sowjetischen Militär-Administration über diese Frage zu erkunden und mir mitzuteilen, ob die in diesem Schreiben vertretene Rechtsauffassung von der Besatzungsmacht geteilt wird.
Hochachtungsvoll!ergebenstThüringische Verwaltungs-Gesellschaft m.b.H. Dr. Hermann L. Brill (Dr. Hermann L. Brill)Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1621, Bl. 62r (ms. Ausfertigung).