Nr. 60o (2)
Niederschriften zweier Unterredungen mit Oberleutnant Morosow von der SMATh-Abteilung Inneres über Maßnahmen und Sonderregelungen

11. Dezember 1945
Unterredung mit Oberleutnant Morosow am 11.12.1945 von 11 – 16 Uhr.

Anwesend waren Präsidialkanzlei: Oberregierungsrat Bergner Landesamt für Kommunalwesen: Landesdirektor Böhm Landesamt für Volksbildung: Landesdirektor Dr. Wolf Die Übersetzung führte Dolmetscherin Bischler.
1. Es ist zu klären, weshalb in den 14-tätigen Personalveränderungsmeldungen die Schulen und Universitäts-Kliniken nicht einbegriffen sind. Es heisst doch in der Meldung Landesamt und nachgeordnete Dienststellen.
2. Sonderabmachungen über Volksbildung, Theater, Lehrer usw. schriftlich anfordern.
3. Anordnen, dass alle Abmachungen mit der SMA übe Bereinigung der Präsidialkanzlei Herrn ORR Bergner berichtet werden.
4. Alle Mitglieder der neuen Parteien sind von den Blockparteien zu überprüfen. Diejenigen, die nach der Überprüfung nicht in den Parteien bleiben, müssen entlassen werden.
5. Die Angehörigen der Hitlerjugend können weiterarbeiten.
6. Die korporativ 1 in die NSDAP Überwiesenen sind wie die anderen NSDAP Mitglieder zu behandeln.
7. Jede Fürsprache aus den Stadt- und Landkreisen bestätigt durch den Ortskommandant, ist zwecklos. Nicht in jedem Falle sind gerade in dieser Richtung die Ortskommandanten von den Anordnungen Marschall Schukows und d. Generals Kolesnitschenko unterrichtet.
8. In der Anlage eine Entscheidung von General Kolesnitschenko – Antwort auf den Brief von Präsident Dr. Paul vom 1.10.45
9. Genaue Kontrolle der 14-tägigen Personalveränderungsmeldungen! –
10. Weshalb wird zurzeit bei der Landesbank Thüringen noch eine Person in leitender Stellung beschäftigt? – Weshalb sind seit dm 25.11.45 keine Entlassungen weiter vorgenommen worden?
11. Die zwei Reklamierten durch die SMA für statistische Arbeiten sollen in der Personalveränderungsmeldung des Statistischen Amtes nicht mehr erscheinen, da sie wahrscheinlich nur vorübergehend weiter beschäftigt werden.
12. Nach dem Personalbestand vom 25.11.1945 meldet das Landesamt für Land- und Forstwirtschaft 32 zurzeit noch beschäftigte Faschisten. Wieso ist es möglich, dass in der Meldung vom 30.11.45 46 Faschisten erscheinen?
13. Über die Schwierigkeiten bei der Reinigung des Landesamtes für Finanzen und seiner nachgeordneten Dienststellen möchte der Leiter des Landesamtes einen ausführlichen Bericht in deutsch und russisch bis zum 13.12.45 18 Uhr uns abgeben, und zwar sollen in diesem Bericht auch alle die Massnahmen angeführt werden, die zur Heranziehung geeigneter Arbeitskräfte unternommen worden sind, und welche noch unternommen werden, um Ersatz zu finden.
14. Einen gleichen Bericht soll uns das Landesamt für Volksbildung bis zu diesem Zeitpunkt einreichen.
15. durch Herrn Landesdirektor Böhm soll der Abschnitt I seiner Verfügung vom 30.11.45 an die Oberbürgermeister und Landräte zurückgezogen werden. Es handelt sich hier um das Formular der Entlassungsurkunden. In der Anlage ein neues Muster. Falls solche Entlassungsurkunden nach dem ersten Muster schon ausgehändigt sind, sollen sie durch neue ausgetauscht werden.
16. Die geplante Verfügung betreffs der Zwecklosigkeit der Befürwortung durch die Oberbürgermeister und Landräte, bestätigt durch die Ortskommandanten, möchte bis zum 13.12.45 18 Uhr zwecks Einsichtnahme der SMA an uns übergeben werden.
Weimar, den 11. Dezember 1945.
Bischler

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Ministerium des Innern, Nr. 3449, Bl. 141r, 142r (ms. Ausfertigung mit hs. Korrekturen)

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