Nr. 57c
20. Oktober 1945
Handelsvertrag Bayern-Thüringen

V e r e i n b a r u n g über den Warenverkehr zwischen Bayern und Thüringen
vom 20 . Oktober 1945
In dem Bestreben, die früher bestandenen engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bayern und Thüringen wieder aufleben zu lassen und die Bevölkerung beider Länder mit lebensnotwenidgen Erzeugnissen zu versorgen und den Bezug von Lebensmitteln, Rohstoffen und Fertigwaren zu erleichtern, wurde auf Grund von Verhandlungen zwischen Vertretern der bayerischen und thüringischen Regierung folgende Vereinbarung geschlossen:
§ 1: Der Abschluss des Vertrages erfolgt vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Militärregierungen der beiden vertragssschliessenden Länder. Jedes der beiden Länder wird die Zustimmung der für das betreffende Land zuständigen Militärregierung einholen.
§ 2: Der Austausch von Waren im Rahmen des Vertrages erfolgt auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Die vereinbarten Warenarten und Warenmengen, die von den beiden vertragssschliessenden Ländern zur Lieferung freigegeben werden, sind in Monats- und Jahreskontingenten in den Anlagen 1 und 2 festgelegt. Der Wertberechnung sind die Festpreise nach dem Stand vom 8. 5. 1945 zu Grunde gelegt.Preisänderungen nach Vertragsabschluß haben auf die vereinbarten Mengen keinen Einfluss.
§ 3: Die beiden vertragsschliessenden Länder werden die zur Lieferung und Abnahme der im Vertrag aufgeführten Waren ausschliesslich zugelassene Firmen gegenseitig namhaft machen.
§ 4: Die Beförderung der Waren soll grundsätzlich auf dem Schienenwege erfolgen; nur bei hochweertigen Waren und leicht verderblichen Gütern mit Lastkraftwagen. Leerfahrten sind zu vermeiden.Die Transporte und Transportmittel sind von den vertragsschliessenden Ländern mit Unterstützung der zuständigen Militärregierung besonders zu sichern.
§ 5: Über den Zahlungsverkehr im Rahmen dieses Vertrages wird vereinbart:1) Bayerische Käuferfirmen zahlen an die Bayer. Staatsbank auf Sonderkonto Land Thüringen ein.2) Thüringische Käuferfirmen zahlen an die Landesbank Thüringen auf Sonderkonto Land Bayern ein.3) Die Bayedr. Verkäuferfirmen erhalten den Gegenwert ihrer Lieferungen von der Bayer. Staatsbank zu Lasten des Sonderkontos Land Thüringen.Die Thüringischen Verkäuferfirmen erhalten den Gegenwert ihrer Lieferungen von der Landesbank Thüringen zu Lasten des Sonderkontos Land Bayern.4)Soweit erforderlich, werden die beiden Staatsbanken auf diesen Sonderkonten bis zum Betrage von RM 100.000.- zinslos in Vorlage treten.Die beiden Länderbanken regeln im gegenseitigen Einvernehmen alle technischen Einzelfragen.Spitzenausgleiche sollen in bar oder in zusätzlichen Warenkontingenten erfolgen.Im übrigen gelten die am 8. 5. 1945 gültigen Lieferungs- und Zahlungsbedingungen.
§ 6: Der Vertrag wird auf die Dauer von einem Jahr abgeschlossen. Wenn spätestens ein Monat vor Vertragsablauf keine Kündigung erfolgt, gilt der Vertrag jeweils um ein weiteres Jahr als verlängert.
§ 7: Die Einzelheiten der technischen Durchführung werden durch unmittelbare laufende Fühlungnahme der zuständigen Stellen der beiden Länder geregelt. München, den 20 . Oktober 1945.
Für die Bayerische Regierung:Für die Thüringische Regierung: Dr. Wilhelm Hoegner Dr. Fischer Bayer. MinisterpräsidentLandesdirektorLandesamt für WirtschaftLand Thüringen

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 389, Bl. 144r, 145 r (ms. Ausfertigung mit hs. eingetragenem Datum); auch überliefert in: Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1390, Bl. 254r, 255r.