Nr. 55b
9. Oktober 1945
Schreiben des Landesdirektors für Finanzen Leonhard Moog an Landespräsident Rudolf Paul zu Verwaltungsaufwand, Personal- und Sachkosten, Rolle des Landesamtes für Finanzen und Verwaltungsumbau

Land ThüringenWeimar, den 9. Oktober 1945Thüringisches Landesamt für Finanzen II A / 45 HerrnPräsidenten des Landes ThüringenW e i m a r
Ein Vergleich des persönlichen und sächlichen Aufwands für die früheren Ministerien und die jetzigen Landesämter ergibt eine erhebliche Steigerung. Die Thüringischen Ministerien erforderten 1944 an persönlichen Ausgaben 5 694 680, an sächlichen Ausgaben 738 860 RM. Dabei sind, um den Regierungsbezirk Erfurt mit zu erfassen, zu den Kosten des früheren Landes Thüringen 40 % zugeschlagen worden. Für die jetzigen Landesämter betragen die persönlichen Ausgaben 8 952 400, die sächlichen 2 872 000 RM. Der jährliche Mehraufwand beläuft sich demnach für persönliche Ausgaben auf 3 257 320, für die sächlichen Ausgaben auf 2 133 140 RM. Bei der schlechten Finanzlage des Landes ist dringend erforderlich, dass der Verwaltungsaufwand vermindert wird. 1 Auch durch die Befehle der Sowjet-Militär-Administration ist angeordnet worden, dass der Verwaltungsapparat nach Möglichkeit eingeschränkt wird. Wir bitten daher zu erwägen, ob nicht mehrere Landesämter unter einheitlicher Leitung der Vizepräsidenten zusammengefasst werden können, damit ein ähnlicher Zustand wie früher herbeigeführt wird, wo auch vier Ministerien als oberste Verwaltungsbehörden des Landes genügten. Wir hatten übrigens auch schon für den Entwurf der Landesverwaltungsordnung die Anregung gegeben, die Unterstellung mehrerer Landesämter unter einem Landesdirektor vorzusehen. Wir wollen zunächst davon absehen, Vorschläge dafür zu unterbreiten welche Landesämter zusammenzufassen sind, bitten aber schon jetzt Vorsorge zu treffen, dass durch die Zusammenlegung an persönlichen und sächlichen Ausgaben möglichst gespart wird.Besonders liegen die Verhältnisse für das Landesamt für Finanzen. Die Sowjet-Militär-Administration hat angeordnet und kommt bei den Verhandlungen mit ihren Vertretern immer wieder darauf zurück, dass das Landesamt für Finanzen in gleicher Weise wie die Finanzabteilungen der sowjetischen Verwaltung den gesamten Staatsapparat finanziell kontrolliert und finanziell nicht tragbare Ausgaben untersagt. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch gewünscht worden, dass das Landesamt für Finanzen die Aufsicht über das Kredit- und Bankwesen sowie das Sparkassenwesen übernimmt. Ergibt sich schon aus dieser Stellung und Bedeutung des Landesamtes für Finanzen gegenüber den anderen Landesämtern eine wesentliche Hervorhebung, so ist es u.E. erforderlich, diese auch nach aussen hin zum Ausdruck zu bringen, von eineer Zusammenlegung dieses Amtes mit anderen Landesämtern abzusehen und es seiner Bedeutung entsprechend einem weiteren Vizepräsidenten zu unterstellen. Um diese Organisation der obersten Verwaltungsbehörden klarzustellen, ersuchen wir, den Entwurf der Landesverwaltungsordnung mit Beschleunigung festzustellen 2 und darin das Landesamt für Finanzen unseren Vorschlägen entsprechend zu verankern.
LMoog Landesdirektor

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1078, Bl. 142r, 142v (ms. Ausfertigung).

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