6. September 1945
Niederschrift über die Präsidialsitzung mit Beschlüssen zur Bodenreform, zur Verstaatlichung der Kali-, Kohle- und Erzgruben und über regelmäßige Sitzungen mit Parteienvertretern

N i e d e r s c h r i f t
zur Präsidenten-Sitzung vom 6. 9. 1945.

Anwesende:
Präsident des Landes Thüringen Dr. P a u l2. Vize-Präsident Dr. A p p e l l3. Vize-Präsident Dr. K o l t e r
Es wurde behandelt:

Brückenbau.
Die Reparaturarbeiten an den Brücken sollen so schnell wie möglich in Angriff genommen werden.
Für den Bau der Göschwitzer Brücke ist Oberbaurat Mahlendorf als Verantwortlicher eingesetzt worden, der seinerzeit auch an der Errichtung dieser Brücke beteiligt war.
Bis morgen mittag 12 Uhr sollen bei der Administration Firmen genannt werden, die die Brückenreparaturarbeiten so schnell wie möglich ausführen können.
Mit Schwierigkeiten ist die Beschaffung von Material, vor allem Holz, und Fahrzeugen verbunden. Die Fahrzeuge sollen von den Russen gestellt werden, der Betriebsstoff wird von der zivilen Verwaltung des Landes Thüringen zugeteilt. Der ungefähre Verbrauch soll deshalb angegeben werden.

Plenar-Sitzung.
Um die Verantwortung bei schwerwiegenden Problemen und Beschlüssen nicht allein auf den Schultern der Landesverwaltung lasten zu lassen, sollen vielleicht einmal in der Woche 2 Vertreter von jeder Partei zu der üblichen Sitzung mit zugezogen werden, die dann auch ihre Meinung vertreten sollen. Diese Betreffenden werden aber nur bei wesentlichen Punkten mit zugelassen. Sie habe keine Beschlußkraft und spielen nur eine beratende Rolle. 1

Die SPD
braucht ein Gebäude für ihre Parteigeschäfte und ist mit dieser Bitte an die Verwaltung des Landes Thüringen herangetreten. Herr Präsident Dr. Paul ist damit einverstanden. Welches Gebäude für diesen Zweck genommen wird, ist noch nicht bestimmt.

Bodenreform. Es soll morgen ein Beschluß gefaßt werden, daß der Bodenreform grundsätzlich zuzustimmen ist.
Die Verstaatlichung von Kali, Kohle und Erz
soll in der Form vor sich gehen, daß die Grubenbesitzer einfach enteignet werden mit der Begründung, daß jeder Besitz heute Zufallsbesitz ist und ein Einzelner nicht den Anspruch auf den Besitz solcher Bodenschätze erheben kann.
Anschließend fand eine Besprechung mit den Herren der Firma Dickerhoff und Wittmann, Jena statt.


Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten , Nr. 459, Bl. 115r, 116r (ms. Ausfertigung).

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